30.06.2020 - Charlottes Abschiedsgruß

 

Hallo,

auch ich wollte mich zum Ende hin nochmal hier melden, um meine Gefühle mit euch zu teilen und mich zu verabschieden. Ich bin die Freiwillige der Primar-Abteilung in Eupen, Charlotte. 

Die letzten Monate waren aus den verschiedensten Gründen sehr überwältigend. Ich habe beispielsweise zum ersten Mal alleine gelebt und auch vorher, abgesehen vom Babysitten, nie gearbeitet. Es waren also von Anfang an sehr viele neue Erlebnisse, Erfahrungen und Emotionen zu erwarten. Als dann natürlich im März noch Covid-19 dazu kam, wurde es echt chaotisch. Doch wenn ich eins in meiner Zeit hier gelernt habe, ist es bestimmt der Umgang mit neuen Situationen. 

Wie auch Vanessa habe ich die letzten drei Monate zu Hause in Mainz verbracht. Wenn ich mir diese Zahl vor Augen halte, kann ich mir das gar nicht vorstellen und alles wirkt total unreal. Ich habe Woche für Woche die Entscheidungen der belgischen und der deutschen Regierungen verfolgt und darauf gehofft, dass wir so schnell wie möglich zurückkommen können. Aber Wochen wurden zu Monaten und ich fand es immer schwieriger positiver zu bleiben. Zum Glück konnte ich mich ja mit den anderen über alles austauschen und irgendwie konnte ich mich dann doch beschäftigen.

Nach viel hin und her sind wir am 15.06, sobald die Grenzen wieder offen waren, zurück nach Eupen gefahren, um hier die letzten zwei Wochen unseres Projektes abzuschließen. Ich muss zugeben, dass ich mir nicht sicher war, ob das so gut wäre und nicht nur noch belastender sein würde. Aber ich habe mich überraschend schnell wieder an alles gewöhnt und bin jetzt rückblickend sehr froh über diese Chance. Auch weil ich weiß, dass nicht alle so ein Glück haben. Ich durfte Eupen im Sonnenschein erleben, war endlich mal im Hohen Venn und habe nochmal meine neu geschlossenen Freundschaften genossen. Bei der Arbeit hat sich wenig verändert und ich freue mich, dass ich ein letztes Mal mit den Kindern und mit meinen Kolleginnen arbeiten durfte.

 

Letztendlich möchte ich, glaube ich, einfach Danke sagen. Ich hatte eine wirklich tolle Zeit in Eupen und am ZFP. Natürlich gab es schwere Tage und Wochen, vor allem in der sehr grauen Winterzeit, aber es gab mindestens doppelt so viele gute Tage, die alles wieder ausgeglichen haben. Ich habe mich immer sehr wohl in der Primar-Abteilung Eupen gefühlt und bin meine Kolleginnen für alles dankbar, für Kritik, Lob und ihr Vertrauen in mich. Ich konnte nicht nur unglaublich viel über Förderpädagogik lernen, sondern auch über Ostbelgien und Europa. Hier habe ich Freunde fürs Leben kennen gelernt und ich hoffe, dass ich noch meinen Enkeln von meinem Jahr hier erzählen kann. Ich habe so viel gesehen, gegessen (viele Fritten) und getrunken (hauptsächlich Bier). Und auch wenn Corona mir einen Strich durch meine Rechnung gemacht habe, würde ich es immer wieder genauso machen.

Bis auf ganz bald

Eure Charlotte

 

 

 

 

 

29.06.2020 - Abschiednehmen ist nie leicht

 

Die letzte Kolumne. Das letzte Mal Bus fahren. Die letzten Minuten mit den anderen Freiwilligen. In dieser Kolumne dreht sich alles um meinen letzten Monat hier in Belgien und im ZFP. Ich durfte hier so viel erleben, so viel lernen. Ich könnte nicht dankbarer sein! Doch beginnen wir erstmal am Anfang dieses Monats, denn ich habe irgendwie so das Gefühl, dass diese Ausgabe die längste von allen wird (Anmerkung nach dem ich sie fertig geschrieben habe: Ja, es ist seeeehr lang geworden). Es ist aber auch viel passiert.

 

Zuerst bereitete ich mich auf meine Rückfahrt nach Belgien am 15.06. vor. Ein paar Dinge einkaufen. Sachen packen. Erneut Abschied nehmen von meiner Familie, aber das war ja nur für gut drei Wochen. Meine Schwester hat mich nach Mainz gebracht und von dort aus haben Charly und ich einen kleinen „Roadtrip“ nach Eupen gemacht. Die Grenzpassierung war zum Glück überhaupt kein Problem, da nicht kontrolliert wurde, aber selbst dafür wären wir gewappnet gewesen. Nachdem wir dann noch Dora und Emilia, eine andere Freiwillige in der DG, vom Aachener Bahnhof aufgegabelt haben, machten wir unseren mehr als notwendigen „Großeinkauf“, der uns für fast die ganzen drei Wochen reichte.

 

 

Und was wäre unser erster Tag zurück in Belgien gewesen ohne Fritten? Naja eigentlich hatten wir alle nur kein Bock, Abendessen zu kochen, aber dieser Gedanke ist doch ein schöner Bonus. Außerdem sollte es ja am nächsten Tag auch schon wieder mit der Schule losgehen. Ich kam mir echt vor wie am Anfang meines Freiwilligenprojektes, nur dass ich dieses Mal alle kannte und ich mir keine Sorgen machen musste, was und wer mich erwartete. Und es war soo schön, wieder zurück zu sein!! Ich konnte an dem Morgen gar nicht mehr aufhören zu lächeln und war einfach glücklich, alle wiederzusehen. Nach der anfänglichen Aufregung und Unruhe der Schüler (und auch mir) war dann aber irgendwie alles schnell wieder ganz normal. So normal es in so einer Zeit eben sein kann.

Irgendwie hat sich nicht viel verändert, aber gleichzeitig viele kleine Dinge dann doch. Klar, meine Arbeit ist größtenteils gleichgeblieben, aber einige Aufgaben sind neu dazugekommen, während andere weggefallen sind. So gehen wir nicht mehr Schwimmen, da die Schwimmbäder noch nicht geöffnet sind, aber ich muss die Kinder jetzt immer daran erinnern, dass sie doch bitte ihre Hände waschen mögen (und ihnen gelegentlich erklären, wieso wir das machen und dass es sinnvoll ist, es zu tun).

Die Zeit vor den großen Ferien ist ja eigentlich überall entspannt, aber mit dem schönen Wetter, ist die Vorfreude bei den Kindern natürlich noch schneller gewachsen. Gelegentlich wurde noch ein bisschen gearbeitet, um die letzten Dinge zu beenden, aber ansonsten wurde viel Zeit draußen verbracht oder einfach nur gespielt.

Schnell kam dann auch die Zeit, um uns von Laura zu verabschieden. Gleich in der ersten Woche hatten wir ein Feedbackgespräch mit ihr und dem Direktor des ZFP, was ihnen scheinbar (so wie Laura es uns erzählt hat) sehr viel gebracht hat, da die meisten Ideen umgesetzt wurden. Hoffentlich haben es die nächsten Freiwilligen dann noch besser, als wir es hatten, wobei unsere Corona-Situation ja nicht mehr wirklich getoppt werden kann :/ (zum Glück für die nächsten Generationen).

Wie schon am Anfang gingen Laura, wir vier Freiwilligen und unsere Tutorin Johanna gemeinsam essen. Dieses Mal konnten wir zum Glück draußen sitzen und wenn wir mal ehrlich sind, es war auch viel entspannter und ungezwungener als beim ersten Mal. Immerhin kannten wir uns ja jetzt alle auch schon zehn Monate und es wäre ja komisch, wenn dem nicht so wäre. Aber es war richtig schön, dass wir alle sechs nochmal zusammengefunden haben, das Jahr Revue passieren lassen konnten und einfach noch mal gemeinsam gelacht haben (und natürlich das leckere Essen genießen konnten).

 

 

Dann ging es auch schon an die letzten Schultage. Neben dem üblichen Stress vom Aufräumen und den Vorbereitungen für das neue Schuljahr, wollten die Kinder natürlich auch noch unterhalten werden. Ich konnte die letzten Tage und Stunden richtig mit ihnen genießen, da wir viel zusammengespielt oder gekocht haben. Auch sie haben dann nach und nach realisiert, dass ich nicht mehr lange bleiben würde, da sie mich ständig gefragt haben, ob ich denn am nächsten Tag auch kommen würde beziehungsweise wollten sie verstärkt, dass ich bei Freier Tätigkeit in ihrer Gruppe mitmache. So habe ich dann teilweise gleichzeitig „Wer bin ich“ gespielt, während ich Bügelperlen für die andere Gruppe gesucht habe.

Am vorletzten Schultag (Freitag, der 26.06) war ich dann schon mehrmals den Tränen nahe, da es immer realer wurde, dass meine Zeit mit den Forschern zu Ende gehen würde. Zum einen hatte ich den Schülern ein kleines Geschenk gemacht, um mich auch bei ihnen für die Zeit zu bedanken. Woraufhin sie mir auch ein richtig tolles Bild mit all ihren Namen und Fingerabdrücken gegeben haben, damit ich sie nicht vergessen werde (wie könnte ich das je tun). Und danke an dieser Stelle an Ariane und Petra für dieses wunderschöne Bild! Es hat mich sehr gefreut. In den letzten zwei Stunden sind sie dann bei freier Tätigkeit so rumgewuselt, dass mir aufgefallen ist, wie sehr ich dieses Chaos und Geschäftigkeit mir fehlen wird und dabei sind dann fast die Tränen gelaufen (wie auch beim Schreiben der Kolumne).

Leider kann ich den letzten Schultag und die Abschiedsfeier des Kollegiums an dieser Stelle nicht beschreiben, da die Kolumne vorher erscheinen wird, aber trotzdem werden mir auch die letzten Tage immer in Erinnerung bleiben. Ich denke, es werden noch ein paar richtig schöne Stunden zusammen und ich bin froh, dass ich sie nicht verpasse. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass bei mir einige Tränen fließen werden, nach dem ich schon bei Charlys Verabschiedung nicht anders konnte.

 

Dadurch dass diese drei Monate weggefallen sind, konnten wir viele unserer geplanten Ausflüge nicht machen. So haben wir es nicht ans Meer geschafft oder nach Brügge und Antwerpen, aber immerhin gibt es so noch einen Grund mehr, öfters nach Belgien zurückzukommen. Trotzdem wollten wir Freiwillige in den letzten drei Wochen noch so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen und noch ein bisschen was sehen (vor allem von unserer Umgebung), denn es wäre ja absolut traurig gewesen, wenn wir ein Jahr in Ostbelgien gelebt hätten, ohne im Hohen Venn gewesen zu sein.

 

 

So machten wir uns drei Tage nach unserer Ankunft an einem angenehm warmen Mittwochnachmittag auf den Weg nach Monschau. Wir sind ein bisschen durch die Gässchen gewandert, haben uns die schönen Häuser angeschaut und waren gemütlich einen Kaffee trinken. Nichts Weltbewegendes, aber es war richtig schön, erstens mal wieder etwas (mit Vorsichtsmaßnahmen) zu unternehmen und zweitens die uns noch verbleibende Zeit zusammen zu verbringen.

 

 

Am Samstag danach haben wir es nach zehn Monaten endlich geschafft ins Venn zu gehen. Es war echt ein perfekter Tag ohne Stress mit perfektem Wetter und wunderschöner Natur. Ich bin echt froh, dass wir das noch erleben konnten. Ansonsten wäre es auch echt peinlich gewesen. Wir haben uns viel Zeit für den acht Kilometer langen Rundweg genommen, damit wir das Venn und die Stege inklusive eines kleinen Picknicks ganz entspannt genießen konnten.

 

 

Es war echt ein perfekter Tag und eine super Zeit, um in Venn spazieren zu gehen. Es war alles so schön grün und auch nicht zu heiß, da auch ein angenehmes Lüftchen geweht ist. Wir konnten es uns natürlich auch nicht nehmen lassen, am höchsten Punkt von Belgien die letzten Stufen der Steintreppe emporzuklimmen, um auf ganzen 700 Metern Höhe zu stehen. Ein absolutes Highlight. Als Abschluss für diesen schönen Tag wollten wir noch bei der Brauerei „Belgium Peak Beer“ Abendessen. Und was soll ich noch mehr sagen als WOW. Dieser Ausblick und das Essen waren einfach zu gut. Wir saßen auf der Terrasse und konnten die Sonne (ja ich habe mal wieder Sonnenbrand bekommen :/) und die gemeinsame Zeit richtig genießen. Dieser Tag wird auf jeden Fall einer meiner schönsten Erinnerungen an dieses Jahr bleiben (mit so vielen anderen natürlich, aber dieser Tag hatte etwas Besonders an sich)

Ich habe das Gefühl, dass ich mich immer wieder wiederhole, aber unsere letzten Tage in Eupen standen unter dem Motto „Wir genießen unsere letzte gemeinsame Zeit, ganz egal was wir machen“. So trafen wir (Charly, Dora, Emilia und ich) uns auch am Sonntag mit einem anderen Freiwilligen aus Belgien und einem gemeinsamen Freund in der Eupener „City“ ganz entspannt erst auf einen Kaffee und anschließend sind wir dann noch zu „Oscars“ gegangen, um dort etwas zu essen. Dabei haben wir viel geredet und wie immer das schöne Wetter genossen. Nach einem Eis und einem sehr kurzen Spaziergang durch Eupen ging es dann aber auch relativ zeitig zurück nach Hause, da am nächsten Tag ja die Schule rief. Und ich war auch sehr geschafft von diesem Wochenende, so dass ich um sieben erstmal ein Nickerchen gemacht habe. Ich konnte einfach nicht mehr die Augen aufhalten, zumal es so warm und mein Magen angenehm gefüllt war.

 

enstpannter Sonntag.jpg

 

Am nächsten Mittwoch hatten Dora und ich wieder frei. Wir hatten zum ersten Mal die Zeit, um auf den Wochenmarkt in der Unterstadt zu gehen, was wir dann auch machten (auch weil wir frisches Obst und Gemüse brauchten). Ich war schon ziemlich stolz auf mich, dass ich mich dort ohne große Panik oder Problemen auf Französisch verständigen konnte. Ich habe also eindeutig Fortschritte gemacht! Dann backten wir Kuchen für den folgenden Tag für unser Kollegium als Dankeschön für die tolle Zeit. Am Nachtmittag sind wir (die üblichen vier) ein letztes Mal an die Wesertalsperre gefahren (dieses Mal mit dem Auto und nicht mit dem Fahrrad) und haben dort die Hitze, Sonne und ein kleines Picknick genossen. Es war davor alles ein bisschen stressig, da wir gleichzeitig noch einen Zeitungsartikel für den Wochenspiegel schreiben mussten und natürlich schnellstmöglich an die Talsperre wollten, aber als wir dann einmal dort waren, ist die Zeit wie im Flug vergangen und wir konnten die gemütliche Runde genießen.

 

 

Leider sind wir nicht allzu lange geblieben, da wir uns am Abend noch ein letztes Mal die „All you can eat“ Tapas von „Piya“ gönnen wollten. Ein Träumchen! Denn was will man mehr, wenn man diese Tapas hatte?

 

 

Schnell war dann auch unser letztes gemeinsames Wochenende angebrochen. Charly wollte am Sonntag bereits fahren, deswegen mussten wir den Samstag richtig ausnutzen. Wir haben bei einem gemeinsamen Freund gegrillt und sind anschließend in die Pigalle gegangen, um ein letztes Mal richtiges Eupen-feeling zu haben. Wir haben uns ein Video angeschaut, das Dora im Laufe des Jahres über ihre Erlebnisse gedreht hat und naja war ja klar, dass wir alle emotional geworden sind. Es war ein richtig schöner und verrückter Abend, so wie wir es eben gewohnt sind, mit vielen sehr witzigen und wilden Fotoideen sowie interessanten Gesprächsthemen.

Am Sonntag haben wir uns dann noch von Charly verabschiedet, wobei bei mir die ersten Tränen geflossen sind. Ich konnte einfach nicht anders, da ich sie jetzt schon vermisse und sie so ein großer Teil in diesem Jahr für mich war. Außerdem hatte ich genau da realisiert, dass jetzt alles zu Ende geht und mir in nächster Zeit ganz viele Abschiede bevorstehen. Ein gemeinsamer Filmeabend hat meine Stimmung dann noch etwas heben können, aber es war eben nicht mehr ganz dasselbe. Trotzdem richtig schön.

 

 

Zum Schluss möchte ich natürlich noch den Leuten danken, die in diesem Jahr an meiner Seite waren, meine Entwicklung miterlebt, mir in schwierigen Situationen geholfen, mit mir gelacht haben und zu Menschen geworden sind, die mich noch ein Leben lang begleiten werden. Ich kann unmöglich alle hier erwähnen, die mir in diesem Jahr begegnet sind und mich bereichert haben, aber ich möchte versuchen, die wichtigsten hier zu ehren.

Zu allererst möchte ich dir, Laura, danken. Ohne dich wäre ich definitiv nicht an derselben Stelle, denn wenn du mich nicht ausgesucht hättest, hätte ich nichts von alldem erlebt. Danke für deine Organisation, Unterstützung und inspirierende Sprüche! Auch in schweren Zeiten hattest du immer aufmunternde Worte für uns und immer eine Lösung für alle Probleme parat. Mit deiner Kreativität, sympathischen Art und Herzlichkeit haben alle (zukünftigen) Freiwilligen und das ZFP Riesenglück, dass sie dich haben.  Du hast mir immer ein Lächeln auf die Lippen gezaubert, wenn ich dein Feedback zur Kolumne gelesen habe. Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass wir auch in Zukunft noch Kontakt haben werden. Vielen Dank!

Auch meiner Tutorin Johanna möchte ich dafür danken, dass sie uns am Anfang mit anderen Freiwilligen vernetzt hat und so überhaupt erst die Möglichkeit erschaffen hast, dass sich unsere Freundschaften entwickeln konnten. Ich weiß natürlich auch, dass du auch im Laufe des Projektes immer für mich da gewesen bist, wenn ich dich gebraucht hätte, aber dem war ja zum Glück nicht so. Die gemeinsame Zeit (hauptsächlich beim Essen ;)) hat mir immer riesig viel Spaß gemacht! Danke!

Dann haben auch die Forscher einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen erobert. Ich weiß gar nicht, was ich jetzt ohne euch machen soll. Ich bin euch besonders dankbar für die herzliche und offene Art, in der ihr mich aufgenommen habt. Jeden Augenblick, den ich mit euch verbringen durfte, ist so wertvoll gewesen. Ich habe so viel von euch gelernt und hoffe, dass ich euch auch etwas mit auf eurem Lebensweg mitgeben konnte. Danke an jeden einzelnen von euch für das Vertrauen, das ihr mir entgegengebracht habt und das Lachen, das wir miteinander geteilt haben. Ich werde euch definitiv nicht vergessen und mich immer an die Zeit mit euch erinnern!

Natürlich möchte ich auch ein paar Worte über meine Kollegen verlieren. Auch ihr habt Dora und mich so aufgenommen, als wären wir schon immer ein Teil von euch gewesen. Ihr habt uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden und wir konnten euch einfach alles Fragen von Ausflugtipps über Studiumsempfehlungen bis hin zu Haushalttipps. Danke Danke Danke! Ich bin überglücklich, dass ich euch kennenlernen durfte und mit euch so viel Spaß hatte. Bei jedem Kreuzworträtsel, das ich in Zukunft machen werde, denke ich ganz bestimmt an euch. Es ist ja jetzt schon so.

Ganz besonders möchte ich aber meine Kollegen von den Forschern noch erwähnen. Liebe Ariane, Petra, Simone, Nadia und Sarah: Ich möchte euch dafür danken, dass ihr mir mit so viel Offenheit begegnet seid. Ihr habt mir so vieles beigebracht, das ich auf meinem weiteren Lebensweg gebrauchen werde. Danke für das Vertrauen, das ihr in mich hattet! Danke für die Unterstützung, die ihr mir gegeben habt bei egal welcher Idee, die ich vorgeschlagen habe. Ich bin so viel mehr selbstbewusst geworden und bin über mich hinausgewachsen. Das habe ich auch euch zu verdanken. Ich habe mich von Anfang an bei euch wohlgefühlt.

Ich möchte auch dem ZFP allgemein danken für das, was es jungen Menschen, wie mich ermöglicht. Es ist einfach großartig, dass ihr eine solche Möglichkeit bietet. Ich durfte eure Arbeit kennenlernen und schätze sie sehr. Es ist so toll und wichtig, was ihr macht. Danke, dass ich ein Teil davon sein durfte.

Nun zu zwei ganz besonderen Menschen: Charly und Dora. Als ich mich dazu entschieden habe, ein Freiwilligenjahr zu machen, hätte ich nie und nimmer gedacht, dass ich zwei so gute Freundinnen finden würde!

Zuerst zu dir Charly. Du bist die extrovertierteste, verrückteste und wildeste Person, die ich kenne und genau dafür liebe ich dich auch. Du inspirierst mich. Du zwingst mich aus meiner Komfortzone heraus. Du hast immer ein offenes Ohr für mich. Was hätte ich nur ohne deine TedTalks gemacht? Ohne deine wilden Campgeschichten? Ohne deinen Support? Das Jahr wäre so viel anders verlaufen, wenn du nicht gewesen wärst. Ich hätte mir definitiv nicht so viel zugetraut und erlebt. Zum Glück wohnen wir ja nicht allzu weit voneinander entfernt, so dass wir uns auch in Zukunft noch sehr oft besuchen können.

Und du Dora. Meine Mitbewohnerin. Meine Lektorin. Meine Beraterin in allen Dingen von Mode bis hin zu Lebensentscheidungen. Du bist quasi mein ein und alles gewesen in dieser Zeit. Man könnte schon fast sagen, dass wir zu einer Person geworden sind, da wir fast alles zusammen gemacht haben. Essen kochen, Ausflüge, Leben oder dieselben Gedanken teilen. Ich hätte mir niemand besseren an meiner Seite wünschen können. Ich bin so dankbar, dass wir dieses Abenteuer gemeinsam erlebt haben mit allen Höhen und Tiefen, die es auf unserem Weg gab.

Ich weiß nicht, aber bei euch beiden ist es mir relativ schwergefallen, meine Gefühle so auszudrücken. Ich hoffe, dass ihr trotzdem wisst, wie sehr ich eure Freundschaft und euch als Person wertschätze, auch wenn ich es jetzt nicht in Worte fassen kann.

Selbstverständlich habe ich auch die anderen Freiwilligen, denen ich auf meinem Weg begegnet bin, nicht vergessen. Vor allem diejenigen, die ebenfalls in der DG waren, sind mir besonders ans Herz gewachsen (und ganz besonders: Emilia, Marie, Nori, Annika und Yaser, auch wenn du kein Freiwilliger bist)! Wir haben so viele tolle Ausflüge gemacht, so viele tolle Stunden miteinander verbracht und so viel zusammen gelacht. Ihr habt immer meine Kolumne gelesen, mich dabei unterstützt und mir Wertschätzung gegeben. Auch für das alles möchte ich euch Danke sagen! Danke, dass ich Teil eures Jahres sein, eure Geschichten erfahren und Kulturen kennenlernen durfte. Auf noch hoffentlich viele weitere Treffen in ganz Europa.

 

Und sind wir mal ehrlich, ohne euch alle, wäre die Kolumne überhaupt gar nicht entstanden oder nur halb so unterhaltend gewesen. Nochmal ein dickes, fettes DANKESCHÖN an euch alle. Ich hab‘ euch lieb! Ich würde euch liebend gerne nochmal umarmen, aber naja das geht ja leider nicht.

Vor allem möchte ich hier Doras Hilfe noch einmal unterstreichen. Sie hat jede Kolumne vor der Veröffentlichung gelesen und mir Verbesserungen vorgeschlagen. Wie eine richtige Lektorin eben und wie ihr alle wisst, war das oft nicht gerade wenig Text, den es zu verbessern gab. Deswegen nochmal an dich Dora: DANKE!!

 

Das war es dann von mir. Ich hoffe, euch hat dieser Einblick in meiner Zeit hier gefallen und ihr hattet ein wenig Spaß beim Lesen. Ich breche jetzt auf in den nächsten Abschnitt meines Lebens… Studieren. Dieses Jahr hat mein Leben nachhaltig verändert und es wird mir immer in Erinnerung bleiben.

 

Vielen Dank und bis hoffentlich irgendwann mal

 

Alles Liebe

Vanessa

 

 

04.06.2020 - Alles neu macht der Mai?!

 

Um die ganze Situation mal in Zahlen zu fassen, habe ich die Tage gezählt, die ich schon Zuhause bin: es sind 82. Oder auch elfeinhalb Wochen oder zweieinhalb Monate. Es ist ganz schön erschreckend, es jetzt hier schwarz auf weiß zu sehen und ich muss auch zugeben, dass ich in einem doch beachtlichen Teil dieser Zeit mit mir selbst sehr gehadert habe. Zuerst mit dem Fakt, dass ich wieder Zuhause war und so viel Zeit von meinem Projekt verloren geht, die ich nicht wiederbekommen werde. Danach ging es für eine kurze Zeit bergauf, da ich ein paar Aufgaben bekommen hatte, die mir einen Alltag und einen Sinn gegeben haben. Doch als ich mit denen gegen Ende April fertig war, bin ich zunehmend in ein Loch gefallen. Es hat keinen Grund gegeben, „früh“ aufzustehen, da ich die Zeit für nichts brauchte. Ich verbrachte die meiste Zeit drinnen in meinem Bett und las oder war am Handy. Nur zum Essen bin ich dann mal nach unten gegangen. Mich konnte irgendwie nicht so richtig motivieren. Gelegentlich hatte ich zwar schon etwas zu tun oder ich habe mir selbst etwas gesucht, aber meine Stimmung war in dieser Zeitspanne, die ungefähr einen Monat lang war, nicht wirklich auf dem Höhepunkt. Der Austausch mit den anderen Freiwilligen und meinen Freunden hat mir in dieser Zeit sehr geholfen, da ich so etwas hatte, worauf ich mich freuen konnte und sie verstanden haben, wie es mir geht. Rückblickend bin ich richtig froh, dass ich aus dieser Phase wieder herausgefunden habe. Es ist aber auch wichtig, dass ich mir jetzt eingestehen kann, dass es mir in dieser Zeit nicht so gut ging, wie ich es behauptet hatte.

 

Nicht das ihr denkt, ich hätte in den letzten zweieinhalb Monaten gar nichts gemacht. Ich habe euch mal „meine Highlights“ zusammengefasst:

  • Ein Bienenhotel bauen
  • Selber Krapfen backen
  • Ein 1000 Teile Puzzle (fast) beenden (daran arbeite ich noch)
  • Meine alten Bügelperlen rauskramen und Schlüsselanhänger basteln
  • Einen Zeitungsartikel für das Grenz-Echo (in Zusammenarbeit mit den anderen Freiwilligen), ein Interview und zwei Kolumnen schreiben
  • 18 Bücher lesen
  • Zwei Geburtstagstorten backen
  • Zum ersten Mal selber Blätterteig machen
  • Gefühlt 1000 Stunden mit Freunden und den anderen Freiwilligen skypen
  • Einen Film im Autokino schauen
  • Beim Spaziergehen zwei Rehe sehen

 

 

Manche Tage waren demnach „produktiver“ als andere, wobei auch einige Beschäftigungen sinnvoller waren als andere. Ansonsten habe ich einfach viel Musik gehört oder war doch mal an guten Tagen draußen in der Sonne bei schönem Wetter. Ich habe es sogar geschafft mir einen Sonnenbrand zu holen.

 

In letzter Zeit ist meine allgemeine Stimmung wieder besser geworden, auch wenn sie noch nicht hervorragend ist, aber ich muss kleine Schritte machen, vor allem da es so langsam vorwärts geht, was meine Rückreise anbelangt. Ich habe teilweise so viele Neuigkeiten auf einmal erhalten, dass ich gar nicht wusste, wo mein Kopf steht, beziehungsweise was das jetzt genau bedeutet. Ich habe diesen Abschnitt jetzt insgesamt drei Mal geschrieben, weil sich immer wieder etwas geändert hat und der Richtigkeit halber: die Informationen beziehen sich auf den Stand vom 04.06.

Zuerst hat sich unsere Koordinatorin Laura uns angenommen und wollte uns helfen, wieder einen Alltag auf die Reihe zu bekommen. Eigentlich sollten wir Freiwillige, die nach Hause gefahren waren, der Aufgabenschule Ephata digital bei der Nachhilfe helfen. Aber wie ihr vielleicht bemerkt, habe ich eigentlich geschrieben, denn dieser Plan ist schon gar nicht mehr aktuell, obwohl er erst seit einer Woche existiert.

Nun zu der ganzen Grenzsituation… wo fange ich da am besten an? Es gab darüber so viele Planänderungen, dass ich mit dem Verbessern der Kolumne gar nicht hinterhergekommen bin.

Erst haben wir die Aussicht gekommen, dass wir anscheinend doch schon früher zurückkommen können, als geplant. Vorher hieß es, dass unser Freiwilligendienst nicht wichtig genug sei und wir deswegen im Moment keinen Grund hätten, über die Grenze zu müssen. Bis letzte Woche Freitag die Nachricht kam, dass Freiwillige, die in einem essentiellen Sektor arbeiten, doch vor der allgemeinen Grenzöffnung wieder nach Belgien kommen dürfen. Huch, das kam auch für uns sehr plötzlich und unerwartet. Es hat sich dann jedoch herausgestellt, dass wir eine Woche in Quarantäne gehen müssten und somit sowieso nicht vor dem 15. Juni anfangen könnten. Also werden wir letzten Endes hoffentlich am 15. kommen, um dann ab dem 16. wieder in der Schule sein. Ich hoffe auch inständig, dass das jetzt wirklich so kommt und dieser Plan nicht doch noch mal geändert wird.

Dieses Hin und Her von wegen „Nein, ihr könnt noch nicht zurück, es macht auch im Moment keinen Sinn, dass ihr kommt“, „Nein, ihr könnt immer noch nicht zurück, aber mittlerweile würde es Sinn machen, dass ihr zurückkommt“, „Ja, ihr dürft vielleicht über die Grenze, aber wir wissen noch nicht genau wann“ oder „Ja, ihr dürft kommen, müsst dann aber in Quarantäne“ war sehr anstrengend. Natürlich kann niemand etwas für diese Situation, aber es ist schon ein Wechselbad der Gefühle, was es nicht einfacher macht, mit der Lage klarzukommen. Umso dankbarer bin ich für die Unterstützung, die ich von allen Seiten bekomme.

 

Aber Belgien hat mich auch in dieser Zeit nicht verlassen. Zum einen reden wir Freiwilligen natürlich ständig miteinander und ich habe selbstverständlich auch Kontakt zu meinen Kollegen, die mich auf dem Laufenden halte, was bei den Forschern so passiert. Aber zum anderen freue ich mich immer wie ein kleines Kind, wenn ich im Supermarkt ein Produkt sehe, das mich an meine Zeit in Belgien erinnert. Das wandert dann irgendwie selbstständig in den Einkaufskorb. So sitze ich dann manchmal abends mit einer Lütticher Waffel und einem Bier, das es auch in der Pigalle gibt und schaue auf YouTube Wissensvideos über Belgien à la „10 Dinge, die Sie noch nicht über Belgien wussten“, wobei ich die Dinge meistens doch schon weiß.

 

 

Also ich freue mich auf jeden Fall darauf, wieder zurückzukommen und einen richtigen Alltag zu haben. Aber ich kann mir vorstellen, dass es wieder genauso anstrengend wird, wie im September und ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie k.O. ich am Ende der ersten Woche war. Es ist echt krass, wie lange das schon her ist. Offiziell bleiben mir ja auch nur noch 26 Tage in meinem Projekt.

 

Ich hoffe doch, dass ihr genauso gespannt darauf seid, wie es weitergeht, wie ich es bin. Ich denke auch schon so langsam an das Zurückfahren und an das, was mich dann in Belgien erwarten wird, denn ich möchte aus den paar Tagen das Meiste machen. Aber ich sollte mir vermutlich nicht so viel Druck machen, sondern die Tage, die mir dort noch bleiben, so wertschätzen, wie sie eben geschehen. Wer weiß, was noch alles passieren wird. Denn wenn ich eins gelernt habe von der Zeit in Belgien, dann dass am Ende doch alles anders kommt, als man es erwartet hat.

 

Ihr werdet Ende Juni wieder von mir hören mit der allerletzten Ausgabe der Kolumne. Ja, so schnell ist die Zeit schon vergangen. Ich kann es selbst kaum glauben.  

 

 

 

22.05.2020 - Überraschung

 

Wie ich etwas bereits in der letzten Ausgabe angepriesen habe, gibt es heute eine Überraschung für euch Leser in Form einer Sonderausgabe.

 

Für alle, die es noch nicht wissen, im ZFP gibt es insgesamt vier Europäische Freiwillige. Zusammen haben wir uns überlegt, dass es schön wäre, wenn auch sie etwas über sich und ihre Erfahrungen hier in Belgien erzählen könnten. Deswegen habe ich mit ihnen ein kleines Interview gemacht. Doch zunächst einmal wollen sie sich vorstellen.

 

Hallo, mein Name ist Charlotte. Ich arbeite seit September als europäische Freiwillige bei den Zwergen im Eupen Primar. Meine Arbeit macht mir viel Spaß und die Kinder bereichern mich unglaublich. Unter der Woche mache ich Zumba und tanze bei Irene K. An den Wochenenden und anderen freien Tagen erkunde ich mit den anderen Freiwilligen die DG und Belgien.

 

 

Servas! Mein Name ist Dora, ich komme aus Österreich, bin soeben 19 geworden und unterstütze seit September die Klasse der Delfine in St. Vith. Wenn ich nicht gerade die Kinder beim Schwimmen motiviere, ihnen bei ihren Aufgaben helfe oder mit dem Bus zwischen Eupen und St. Vith pendle, liebe ich es zu lesen, auf Veranstaltungen zu gehen und mit den anderen Freiwilligen neue Orte zu entdecken. Ich bin unglaublich dankbar für die Zeit, die ich in Belgien verbringen durfte, die mir nicht nur viel über mich selbst, aber auch über andere Kulturen und Sprachen sowie Akzeptanz und Diversität beigebracht hat.

 

 

Ciao a tutti! Mein Name ist Nur, ich bin die europäische Freiwillige, die zurzeit hier in Eupen in der Aufgabenschule Ephata arbeitet. Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Südtirol, Italien. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, ich liebe die Freiheit, immer unterwegs zu sein, neue und andere Welten zu entdecken. Aber ich bin auch ein nachdenklicher Mensch, ich liebe Kunst und alles, was damit zusammenhängt. Tatsächlich liebe ich es, mich durch Malerei auszudrücken.

 

 

An welchen Moment wirst du dich zurückerinnern, wenn du an dein Freiwilligenjahr denkst?

 

Nur: Es gibt so viele Momente, an die ich mich erinnern werde. Einige sehr gute Momente und ein paar weniger schöne. Dies war ein Jahr voller Farben und Emotionen, und ich habe versucht, jeden Augenblick voll auszukosten. Einer der schönsten Momente war die persönliche Betreuung und Unterstützung durch die Menschen in meinem Projekt, als ich mich verloren gefühlt habe. Ich konnte mich erholen und weitermachen, indem ich die Hilfe annahm, die mir angeboten wurde. Ein anderer Moment war, allein zu reisen, mich unabhängig zu fühlen und in der Lage zu sein, neue Freunde zu finden und besondere Erinnerungen zu schaffen, um ein Zitat zu verwirklichen, das mir sehr am Herzen liegt: " Happiness is only real, when shared“ (Freude ist nur echt, wenn sie geteilt wird).

 

Charlotte: Es ist echt schwer, einen bestimmten Moment aus mehreren Monaten voller neuer Erfahrungen auszuwählen. Natürlich sind die vielen Reise weit oben auf der Liste. In der Schule waren es auf jeden Fall immer die Momente, in denen ich gemerkt habe, dass eins der Kinder mich als Bezugsperson akzeptiert hat. Wenn sie speziell nach mir gefragt haben, von sich aus auf mich zukommen sind und sich von mir z.B. durch Kuscheln beruhigen lassen konnten. Dieser Vertrauensbeweis hat mich immer wieder sehr glücklich gemacht.

 

Dora: In meiner Zeit in Belgien, erlebte ich viele wundervolle Momente, die ich mit Sicherheit für immer in meinem Herzen tragen werde. Viele dieser schönen Momente erfuhr ich auf Reisen, Ausflügen und auch Weiterbildungen, die wir hatten. Dadurch lernte ich unglaublich viel über grenzübergreifendens Denken, Kultur und Identität. Die Momente, die in meiner Erinnerung an die Zeit in Belgien jedoch vorherrschen, sind die alltäglichen Momente mit den Schüler_innen in der Schule. Der Gedanke an die Fortschritte, die die Kinder gemacht haben, an das Spielen mit ihnen, an ihr Handeln ohne Vorbehalte und ihre Akzeptanz für mich und einander, lässt mir ganz warm ums Herz werden.

 

Was macht dir in deinem Projekt am meisten Spaß?

 

Nur: Die Vielfalt.

In meinem Projekt wende ich mich verschiedenen Welten und Denkweisen zu, aus denen ich immer etwas Neues lernen und anderen auch etwas beibringen kann, und das ist für jeden bereichernd.  Mir gefällt auch die Aufgeschlossenheit der Menschen und ihr Sinn für das Teilen. Was mir am meisten Freude bereitet, ist die Möglichkeit, meine eigenen Ideen vorzuschlagen und sie mit der Unterstützung der Menschen um mich herum in die Praxis umzusetzen.

 

Charlotte: Wenn es um Aktivitäten geht, begleite ich am liebsten die Kinder beim Snoezelen, Therapie-Schwimmen oder beim Kissenturnen. Grundsätzlich macht es aber am meisten Spaß die Fortschritte jedes einzelnen und innerhalb der Gruppe miterleben zu dürfen.

 

Dora: Am meisten Spaß macht mir in meinem Projekt das Reden und Spielen mit den Kindern, das mir erlaubt, wenn auch nur für kurze Zeit, mit in ihre Welt einzutauchen und wieder ein klein wenig Kind zu sein.

 

Was vermisst du von deiner Projektstelle gerade am meisten?

 

Nur: Mit Kindern zu lachen und auch nur für kurze Zeit Teil ihres Alltags sein zu können. Einen Einfluss auf ihre Realität und ihre Sicht der Dinge zu haben, und dasselbe gilt für meine Kollegen. Ich vermisse die Solidarität und Freundlichkeit, die sie mir entgegenbrachten, indem sie mir immer halfen und mir zur Verfügung standen.

 

Charlotte: Ich vermisse die menschlichen Begegnungen. Die Kinder und ihr Lachen. Die spannenden Gespräche mit meinen Kolleginnen. Den Austausch mit den anderen Freiwilligen.

 

Dora: Neben den Kindern und Kollegen_innen vermisse ich die Routine, die den Tag strukturiert und die Gewissheit gibt, dass der nächste Tag, so viele Überraschungen er auch bringen mag, wie immer mit einem Morgenkreis anfangen und einem Abschlusskreis enden wird.

 

Wie gehst du mit der Ungewissheit um, die uns in dieser Zeit begleitet?

 

Nur: Leider ist die Situation sehr traurig für mich. Durch die Ungewissheit, die meinen Alltag derzeit begleitet, bin ich stark verunsichert. In Belgien zu bleiben war eine Entscheidung, die ich überhaupt nicht bereue, aber auch dies ist Teil meines Projekts. Denn ich habe beschlossen, es voll und ganz auszuleben, wenn auch jetzt allein. Während dieser Zeit konzentriere ich mich auf mich selbst, auf meine Fähigkeiten und Leidenschaften. Ich versuche, mit meinen Lieben in Kontakt zu bleiben, und natürlich denke ich auch über meine Zukunft nach.

 

Charlotte: Ich muss zugeben, dass ich viel verdränge und versuche möglichst wenig darüber nachzudenken. In den Momenten, wo dann alles hochkommt, hilft mir der Austausch mit den anderen Freiwilligen total. Dadurch, dass wir alle im selben Boot sitzen, verstehen sie meine Sorgen am besten und ich fühle mich nicht so alleine mit allem. Ansonsten bin ich viel im Kontakt mit meinen Kolleginnen und Freunden von Zuhause.

 

Dora: An manchen Tagen, und dies ist sehr stark von Wetter abhängig, lässt mich die Ungewissheit an beinahe allem zweifeln. Sie kriecht in meine Knochen und lässt mich oft für den restlichen Tag nicht mehr los. An solchen Tagen hilft nicht mehr recht viel, außer Ablenkung und auf bessere Tage zu warten. An jenen besseren Tagen, die zum Glück um einiges häufiger sind als die anderen, lese, lerne, koche, backe, sticke, male und schreibe ich viel. Außerdem verbringe ich Zeit mit meinen Eltern, vorzugsweise im Garten, und versuche, sie dazu zu bringen, mit mir „Trivial Pursuit“ und andere Gesellschaftsspiele zu spielen, was wir dann auch, zu meiner Freude, relativ häufig tun. Des Weiteren strebe ich an, mich mit so vielen positiven Nachrichten zu umgeben wie möglich, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist und das Beste daraus zu machen – und hey, das hat bis jetzt ganz gut geklappt! Der Austausch mit den anderen Freiwilligen und meinen Freunden hilft mir dabei enorm, zumal man zumindest für eine gewisse Zeit das Ganze Chaos rundherum vergisst und einfach nur mit seinen Freunden eine gute Zeit hat.

 

Ich hoffe, dass konnte euch einen kleinen Einblick in das Leben, der anderen Freiwilligen bringen und auch andere Gefühle in dieser Situation zeigen.

Ich möchte mich bei Dora, Charlotte und Nur dafür bedanken, dass sie sich die Zeit für mich genommen haben und meine Fragen beantwortet haben. Merci beaucoup! Ich bin froh, dass wir in dieser schwierigen Zeit für einander da sind und uns austauschen können.

 

Ihr hört von mir wieder wie gewohnt Anfang Juni mit einer neuen Ausgabe. Auch ich bin gespannt, was bis dahin so alles passiert und ob es dann Neuigkeiten gibt oder nicht.

 

Ciao e a presto!

Vanessa

 

 

 

07.05.2020 - Ein Tag in meinem Leben…

 

Seit der letzten Ausgabe der Kolumne hat sich nicht viel bei mir verändert. Ich sitze immer noch zu Hause rum und warte darauf, dass sich die Lage etwas entspannt. Da ich im letzten Monat nicht allzu viel getan habe, außer lesen, die Aufgaben, die ich bekommen habe, zu erledigen und mich mit meinen Freunden und den anderen Freiwilligen via Skype etc. auszutauschen, dachte ich mir, dass es bestimmt interessant ist, mal meinen eigentlichen Alltag im ZFP zu beschreiben.

Normalerweise bekommt ihr immer die besonderen Aktivitäten von mir berichtet, aber was ich sonst so den lieben langen Tag bei den Forschern mache, ist bisher ein bisschen von mir vernachlässigt worden. Meine Beschreibung bezieht sich hier auf einen gewöhnlichen Montag.

Mein Tag beginnt ziemlich früh. Um 5:45 Uhr klingelt mein erster von drei Weckern, denn um 7 Uhr fährt der Bus. Mit oder ohne mir. Und ehe ich so richtig in die Gänge komme, brauche ich nun mal ein bisschen. Nach dem Anziehen, Frühstücken, Zähne putzen und Tasche packen, geht es los zum Bus. Während der einstündigen Fahrt heißt es (wie ihr sicherlich bereits wisst) schlafen. Den Schlaf, der mir morgens fehlt, hole ich mir in dieser Zeit zurück.

In der Schule angekommen, tausche ich mich noch mit meinen Kolleginnen aus, was heute so ansteht, ob es etwas Neues gibt oder einfach was wir jeweils am Abend zuvor oder am Wochenende gemacht haben. Um 8:25 Uhr schellt dann die Schulglocke, was für mich bedeutet, dass ich einen Schüler der Forscher vom Schulhof abholen muss und reinbringe. Nach dem dann die Schultasche ausgepackt worden ist und auch alle anderen Schüler drinnen sind, geht es montags meistens mit dem gemeinsamen Morgenkreis los. Hierfür trifft sich die ganze Schule im Bewegungsraum, um in die Woche zu starten. Eine der vier Klassen bereitet dafür etwas vor. Das kann zum Beispiel ein Mitmachlied sein oder etwas, was sie in den letzten Wochen im Unterricht gemacht haben und nun vorstellen. Außerdem werden noch die Geburtstage der Woche vorgestellt, die Gebärde der Woche gezeigt und Neuigkeiten verkündet, falls es welche gibt.

Danach geht es noch mit unserem eigenen Morgenkreis in der Klasse weiter. Jeder Schüler hat einen bestimmten Dienst, den es im Laufe des Tages erfüllen muss. So werden Datum von heute, gestern und morgen gesagt, eine Wettervorhersage gemacht, die Essensliste ausgefüllt, gesagt, was es zu essen gibt, wer nach dem Frühstück den Tisch abwischen muss, wer diese Woche die Blumen in der Klasse gießen muss und speziell nur am Montag gibt es noch die Erzählrunde. Hier haben die Kinder die Möglichkeit, etwas darüber zu erzählen, was sie am Wochenende gemacht haben.

Anschließend geht es mit dem Unterricht los. Montags müssen die ersten beiden Stunden etwas kürzertreten, da am Anfang relativ viel Zeit „verloren“ geht, aber trotzdem versuchen wir, sowohl etwas Rechnen als auch Deutsch zu machen. Ich werde meistens da eingesetzt, wo jemand Hilfe braucht beziehungsweise wechsle ich zwischen den Schülern, die an ihrem Platz arbeiten und helfe ihnen, wenn sie etwas nicht verstehen oder korrigiere ihr Lösungen. Das gilt sowohl für Mathe als auch für Deutsch und ist sozusagen meine Hauptaufgabe. Um 9:55 Uhr geht es dann zum Frühstück. So kann sichergestellt werden, dass alle Kinder auch etwas gefrühstückt haben. Hier unterhalte ich mich meistens mit den Schülern und setze mich zu ihnen.

Danach kommt für die Schüler die erste langersehnte Pause. Ich bringe denselben Schüler wieder nach draußen auf dem Pausenhof. Dies mache ich bei jeder Pause und hole ihn anschließend auch wieder ins Schulgebäude, außerdem bringe ich ihn etwas früher vom Schwimmen zurück, gehe mit ihm jeden Tag für das Mittagessen zum Essenssaal und am Ende des Schultages zum Bus. Aber jetzt heißt es auch für mich erstmal Frühstückspause im Lehrerzimmer. Hier tausche ich mich auch mit Dora aus und wir erzählen uns, was bisher so passiert ist. Meistens ist dann auch Zeit, um auf mein Handy zu schauen und zu gucken, ob ich eine E-Mail bekommen oder meine Freunde oder Familie mir geschrieben haben. Die Frühstückspause ist relativ kurz und geht nur bis 10:30 Uhr, da bleibt also nicht viel Zeit für anderes als das Frühstück.

Die dritte und vierte Stunde ist montags immer spezieller, denn dann gehen alle Klassen zum Schwimmen entweder ins Therapiebecken oder ins richtige Schwimmbad. Ich begleite alle Forscher zum großen Schwimmbecken und helfe dort bei der schwächsten Gruppe aus, die gerade erst schwimmen lernt. Und da haben einige schon Riesenfortschritte gemacht! Es ist kaum zu glauben, wie sich alle entwickelt haben. Teilweise hatten manche Angst vor Wasser und sind jetzt die sichersten Schwimmer in der Gruppe. Ich achte im Wasser darauf, dass sie die Technik richtig machen, helfe denjenigen, die sich immer noch fürchten, in dem ich eine weitere Stütze bin oder feuere sie einfach nur an.

Nach dem Schwimmen und zurück in der Schule ist nun Zeit für das Mittagessen. Da ich Vegetarierin bin, nutze ich nur freitags (Veggi-Tag) das Essen, welches es in der Schule gibt, die restlichen Tage bringe ich mir selber etwas mit. Aber da Dora und ich ja zusammenwohnen und wir beide Vegetarier sind, kochen wir meistens so, dass wir am nächsten Tag noch jeweils eine Portion für mittags mitnehmen können und im Zweifelsfall können wir uns in St. Vith etwas kaufen. Da die Mittagspause anderthalb Stunden lang ist, bleibt mir viel Zeit, um zu essen, zu entspannen, Kreuzworträtsel zu lösen oder einfach nur mit den Kollegen zu reden. Oft fragen wir nach Tipps, was wir am nächsten Wochenende machen können oder sie klären uns über eine uns unbekannte Kuriosität aus Ostbelgien auf. An manchen Tagen hätte ich mich auch am liebsten einfach nur in den Snoezelraum gelegt, um eine Runde zu schlafen, so kaputt war ich vor allem nach dem Schwimmen.

Nach der Mittagspause geht es direkt weiter mit Sport. Montag ist eben ein sehr aktiver Tag für die Forscher. Im Sportunterricht muss ich nicht viel machen. Ich passe nur beim Umziehen auf die Kinder auf und setze mich anschließend mit in die Turnhalle. Manchmal helfe ich aus, wenn zum Beispiel die Mannschaften nicht aufgehen oder es allgemein zu wenige Mitspieler sind. Gelegentlich passe ich bei einer Station auf, damit sich keiner verletzt. Meistens aber motiviere ich die Schüler nur, denn es gibt den ein oder anderen, der gut und gerne mal eine Aufforderung mehr braucht.

 

 

In der letzten Stunde steht noch freie Tätigkeit auf dem Stundenplan, was für mich so viel bedeutet, wie: ich sollte mich am besten dreiteilen, da alle wollen, dass ich bei ihnen bin. Ich habe also meistens die Qual der Wahl zwischen Malen, Lego oder ein Spiel zu spielen, wobei es Zeiten gibt, an denen Bügelperlen Konjunktur haben. Die Schwierigkeit für mich ist ja dann offensichtlich. Wenn ich zu Malen gehe, ist Lego beleidigt und wenn ich zu Spiele gehe, beschwert sich Malen, dass ich da schon letztes Mal schon war, aber ich kann es nun mal nicht jedem Recht machen. Das musste ich auch erst lernen.

Nach dieser kleinen Hürde ist der Schultag vorbei, was für mich und Dora jedoch bedeutet, dass wir noch anderthalb Stunden auf den Bus warten müssen. Die meiste Zeit davon sitzen wir im Lehrerzimmer. Manchmal haben wir noch eine Aufgabe, wie etwas Laminiertes (oder Plastifiziertes wie es die Eifler nennen) auszuschneiden. Gelegentlich haben wir sogar Glück und eine Klasse hat etwas gekocht oder gebacken und die Reste davon sind im Lehrerzimmer gelandet. Denn nichts geht über ein bisschen Kuchen oder Pudding am Nachmittag nach einem anstrengenden Tag.

Montags gehen wir auch oft unseren Wocheneinkauf erledigen und müssen das nicht erst in Eupen machen, denn ehe wir dort sind, ist es schon 17:45 Uhr und im Winter war es dann vor allem eins: dunkel. Dementsprechend machen wir nicht mehr viel am Abend, außer Abendessen, manchmal Wäsche waschen, mit Freunden oder Familie videochatten oder einfach nur entspannen, denn morgen geht ja alles noch mal von vorne los.

Nach meiner Abendroutine, die duschen, Zähne putzen und ein paar Seiten lesen beinhaltet, gehe ich so gegen 23 Uhr spätestens aber 0 Uhr ins Bett. Vielleicht bin ich deswegen morgens immer so müde, aber irgendwie schaffe ich es meistens nicht früher ins Bett. Ups.

 

Ich hoffe euch hat dieser Einblick in meinen normalen Tagesablauf gefallen und ihr habt jetzt noch einen genaueren Blick darauf, was ich denn eigentlich so in Belgien mache, außer mir ein paar Städte anzuschauen und oft Essen zu gehen.

 

Bleibt gespannt auf die nächste Ausgabe der Kolumne, denn es könnte sein, dass ich etwas Besonderes geplant habe, aber mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. Dafür müsst ihr euch noch etwas gedulden.

 

 

 

25.03.2020 - Am Ende kommt doch alles anders

 

Wenn mir jemand vor einem Monat gesagt hätte, dass ich die nächste Ausgabe der Kolumne zu Hause schreiben würde, dann hätte ich denjenigen vermutlich ausgelacht und nicht verstanden, wie es dazu kommen könnte. Aber nun bin ich da wo ich bin, auch wenn es nicht wirklich freiwillig war. Aber dazu später mehr, denn zunächst wollte ich ja etwas über das Mid-Term-Training erzählen.

 

Gleich in der Woche nach den Karnevalsferien fand unser Mid-Term-Training statt, welches, wie der Name schon sagt, nach der Hälfte des Freiwilligenjahres stattfinden sollte. Dieses Mal fand es nicht in Brüssel selbst statt, sondern in Dworp, einem kleinen Ort in der Nähe von Halle.

Das Mid-Term-Training ist sozusagen noch einmal eine Zusammenkunft von allen Freiwilligen, die sich zuvor beim On-Arrival-Training kennengelernt haben, um sich austauschen zu können und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Das Programm konnten wir dieses Mal selbst bestimmen und für uns war alle klar, dass wir auf die „Fridays For Future“-Demo in Brüssel gehen wollten, bei der auch Greta Thunberg teilnehmen sollte. Doch am ersten von drei Tagen mussten wir uns mal wieder mit den üblichen Kennenlernspielchen begnügen, da zu unserer ursprünglichen Gruppe vier neue Freiwillige dazugestoßen waren. Aber da wir erst am Nachmittag im Hostel angekommen waren und erstmal alles Organisatorisches wie Zimmerverteilung und die nun einzuhaltende Hygienebestimmungen klären mussten, war schon bald danach Zeit für das Abendessen. Typisch belgisch sollten wir im Anschluss noch einen Comic zeichnen mit dem Thema „A week in my life in Belgium“. Natürlich mussten wir unsere Kunstwerke (was für meinen Comic übertrieben wäre zu behaupten) auch in kleiner Runde vorstellen, ehe der Abend entspannt mit ein paar Bierchen ausgeklungen wurde, schließlich hatten wir ja auch viel auszutauschen seit wir uns das letzte Mal gesehen hatten.

Am nächsten Morgen ging es dann auch sofort nach dem Frühstück los nach Brüssel, aber natürlich nicht ohne den Weg für eine Runde „Walk and Talk“ zu nutzen. (Für diejenigen, die dieses Konzept nicht kennen, die Trainer stellten uns in regelmäßigen Abständen Fragen über unser Freiwilligenjahr, welche wir dann mit verschiedenen Partnern diskutierten, während wir nach Brüssel gegangen beziehungsweise gefahren sind).Effizienz wird übrigens sehr großgeschrieben bei solchen Trainings, da wir auch im Bus und im Zug über WhatsApp Fragen gestellt bekommen haben! In Brüssel war unsere erste Station dann die Nationalagentur der flämischen Region JINT, welche das Training veranstaltet hat. Dort konnten wir alle Fragen bezüglich unseres ESK-Projekts stellen, die uns auf dem Herzen lagen, ob das nun über den Vertrag, den Urlaub oder auch unsere Zukunft war. Also für den einen mehr interessant als für den anderen, da in großen Gruppen bei spezifischen Fragen eben nicht alle involviert sind. Aber es war trotzdem sehr informativ vor allem die Informationen dazu wie man sich auch nach dem ESK engagieren kann, hat mich persönlich am meisten interessiert.

Doch nun zum eigentlichen Highlight des Tages und des ganzen Trainings: Die „Fridays for Future“ Demonstration mit Greta Thunberg als Stargast. Ganz so spektakulär, wie ich sie jetzt angekündigt habe, war die Demo dann doch nicht, aber trotzdem ein echt einzigartiges Gefühl mit so vielen Gleichgesinnten für eine Sache zu kämpfen. Es war meine erste Demo überhaupt und dafür ein sehr guter Einstieg, da wir sogar Greta Thunberg gesehen haben, als sie ihre Rede am Ende gehalten hatte.

 

 

Schließlich brach auch der letzte Tag, der Samstag an. Wir starteten bei strahlend blauem Himmel und einer schönen März-Morgensonne mit einem Spaziergang durch den anliegenden Wald. Dieser Spaziergang diente ganz uns selbst und unserer Selbstreflektion, so bekamen wir durch Schilder immer wieder Fragen und Anregungen (und den Weg gezeigt), um über alles was wir schon erlebt haben nachzudenken und auch uns zu überlegen, was wir noch von den restlichen Monaten erwarten. Anschließend sollten wir uns einen „Masterplan“ erstellen, in dem wir aufführen sollten, was wir noch tun beziehungsweise lernen wollten.

Dadurch dass das Mid-Term-Training nur für drei Tage angelegt ist und dies sowieso nicht allzu viel Zeit ist, ging es sehr schnell vorbei und ehe wir uns versahen machten wir uns auch auf den Weg zurück in die DG.

 

Doch lange sollten wir nicht bleiben. Nachdem es am Donnerstag (12.03.) noch hieß, dass an eine Schulschließung wegen des Corona-Virus nicht zu denken sei, bekamen wir am Freitagmorgen als wir auf den Bus warteten die Hiobsbotschaft: bis nach Ostern sind in ganz Belgien alle Schulen geschlossen. Uff. Ich glaube, ich habe es am Anfang noch nicht ganz wahrgenommen, geschweige denn realisiert was das bedeutet, denn erahnt hatten wir schon, dass es bald so kommen wird, aber dass es so schnell passieren würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Es sollte wirklich ein Freitag der 13. werden. Komplett emotional überfordert plante ich schließlich meine Abreise noch am selben Tag, nachdem ich widerwillig zum Entschluss gekommen war, dass ich zunächst nicht viel machen konnte in Belgien. Reisen nicht mehr möglich, Arbeit geschlossen, dann wollte ich doch lieber die Zeit zu Hause mit meiner Familie absitzen als alleine in Eupen. Aber einfach (emotional gesehen) war die Abreise ganz und gar nicht. Den ganzen Tag war ich aufgelöst und mehrmals den Tränen nahe, da alles so schnell ging und doch vieles ungewiss war (und noch heute ist). In Eupen musste ich schließlich noch schnell packen, da ich am nächsten Tag schon fahren wollte. Und kann mir bitte jemand verraten wie man für einen Monat packt ohne zu wissen was man macht, wie das Wetter wird etc.? Letzten Endes habe ich viel zu viel eingepackt, aber was solls, das ist bei mir eigentlich immer der Fall.

Was kann man anderes sagen, als dass es doch erstaunlich ist, wie schnell sich alles innerhalb von 24 Stunden ändern kann.

Was nun kommt, weiß ich nicht, nur dass ich zunächst einfach abwarten muss und hoffen kann, dass alles möglichst schnell wieder zu Normalität zurückkehrt. Denn was passiert, wenn nicht alles nach dem jetzigen Plan läuft, will ich gar nicht wissen.

 

Doch auch zu Hause wird mir nicht langweilig dafür sorgen meine Eltern und Laura, unsere Koordinatorin im ZFP. Sie geben mir genug Aufgaben damit ich genug zu tun habe und wenigstens einen halbwegs vernünftigen Tagesablauf einhalte.

Die Anfangszeit zu Hause war nicht leicht. Die ersten zwei, drei Tage war ich echt niedergeschlagen und auch jetzt fällt es mir noch nicht so ganz leicht, einfach nach vorne zu blicken, anstatt dem nachzutrauern, was ich in Belgien verpasse. Aber dank der modernen Technik können wir alle in Kontakt bleiben und so oft wir wollen skypen, telefonieren, schreiben und lustige Videos auf sozialen Netzwerken schicken.

 

 

Eine positive Sache, welche ohne diese ganze Situation nicht möglich wäre, ist das ich jetzt ganz viel mit meiner Katze knuddeln kann. Ob sie nun will oder nicht, da muss sie jetzt durch, aber ich glaube die Aufmerksamkeit nimmt sie mir nicht wirklich übel.

 

 

Ich hätte mir selber gewünscht, dass diese Ausgabe der Kolumne nicht so traurig wird (oder allgemein so eine Zeit kommt), sondern dass ich einfach davon berichten hätte können, dass ich den Kindern gerade in Umweltkunde etwas über Deutschland erzähle, damit sie wissen, woher ich genau komme und was denn überhaupt die Hauptstadt von Deutschland ist. Das wäre nach meinem Vorschlag unser Monatsthema in der Schule gewesen, Europa. Nach der Auszeit werden wir das vermutlich fortführen, aber es trotzdem schade, dass alles unterbrochen wird.

 

Hoffen wir alle mal, dass ich die nächste Kolumne wieder in Eupen schreiben kann und die Ausgabe dann allgemein wieder fröhlicher wird. Denn eins kann ich sagen, ich vermisse alle ganz schrecklich!!

 

Ich wünsche allen alles Gute und bleibt gesund!

 

 

 

05.03.2020 - Oepe alaaf oder Zem Vekt Fahr’m Dar!

 

Nach dem nun auch der sechste Monat vorbei ist, bleiben mir noch vier Monate oder genauer gesagt noch 3 Monate, 29 Tage, 4 Stunden, 15 Minuten und 10 Sekunden (jedenfalls zu dem Zeitpunkt an dem ich das hier gerade schreibe, wenn ihr das hier lest wird es noch weniger sein).

In diesen drei Monaten kann und wird noch so einiges passieren, es hat sich aber auch schon vieles getan. So auch letzter Monat.

 

Da ich nur noch erschreckend wenig Zeit hier habe, möchte ich natürlich meine Zeit bestmöglich nutzen, um möglichst viel zu lernen und zu erleben. So haben Dora und ich es uns vorgenommen auch in anderen Klassen und bei den Therapeuten zu hospitieren. Angefangen hatte ich ja schon vor ein paar Monaten bei einer Ergotherapiestunde, aber im Februar besuchte ich die Klasse der Astronauten (die Klasse mit den ältesten Schülern in St. Vith) für einen Nachmittag. Und Mann O Mann kann ich sagen, dass das entspannt war im Gegensatz zu dem was ich sonst so gewohnt war. Klar habe ich die Forscher gerne, aber sie können nun mal sehr anstrengend sein. Man hat deutliche Unterschiede in den Arbeitsweisen der Schüler gemerkt, da die Astronauten einfach das tun, was man ihnen sagt, ohne noch dreimal diskutieren zu müssen oder sofort bockig zu werden. Ganz in Ruhe haben sie ihre Kalender fertig gebastelt und anschließend am Computer die Kalenderblätter entworfen. Dabei waren sie sehr begeistert, dass ich dieses Mal dabei war und wollten alle, dass ich ihnen helfe. Am Ende wollten sie, dass ich bei ihnen bleibe und mir wurde sogar ein Konzept vorgeschlagen (von den Schülern wohlgemerkt), dass ich dienstags und donnerstags bei ihnen bin und an den anderen Tagen zu den Forschern gehen darf. Leider kann ich das nicht so einfach entscheiden und die Forscher brauchen mich ja auch. Trotzdem ist schön, dass man des Öfteren mal gefragt wird, wann man sie denn nochmal besuchen kommt. Immerhin habe ich es ihnen ja auch versprochen, dass ich noch einmal zu ihnen kommen werde und Versprechen darf man bekanntlich nicht brechen.

 

Im Monat Februar ist das Thema Karneval (oder Fasching wie mich meine Freunde von zu Hause jetzt korrigieren würden) eigentlich schon vorprogrammiert. Die Vorbereitungen hielten selbstverständlich schon vorher Einzug. So wurden Kostüme und die Ateliers schon Tage und Wochen im Voraus geplant bis am Möhnendonnerstag (oder halt Altweiber) die große Karnevalsfeier stattgefunden hat. Die Schüler und natürlich auch wir Lehrer kamen bereits kostümiert in die Schule, damit die Party gleich starten konnte. Mit der Grundschule trafen wir uns in der Turnhalle, um mit ein paar lauten „Zem Vekt Fahr’m Dar“ den Tag beginnen zu können. Der beste Teil des Morgenprogramms in der Sporthalle war wohl das diesjährige Animationslied „Baby Shark“. Ich muss berichten, dass es so aussah, als ob es den Lehrern mehr Spaß gemacht hat als den Kindern. Einige von ihnen konnten dieses Lied auf Teufel komm raus nicht anhören, aber da mussten sie durch… waren ja auch schließlich nur 4 Minuten.

Den Hauptteil des Tages nahmen die Ateliers ein. Die Kinder konnten sich in dieser Zeit frei bewegen und zwischen unterschiedlichsten Angeboten wählen, ob das Klettern, Spiele spielen, Büchsen werfen oder sich schminken lassen war. Dora und ich hatten uns die wohl gemütlichste Aufgabe ausgesucht, bei der es zu keinerlei Streitigkeiten kommen konnte: Bücher vorlesen im Snoezel-Raum. Überraschenderweise herrschte schon sofort zu Beginn großer Andrang (was, glaube ich, mehr dem Snoezel-Raum zu verdanken war als das Geschichtevorlesen an sich). Doch auch im Laufe des Tages ließ der Schülerstrom nicht wirklich nach, was doch sehr positiv war.

Das Highlight des Tages für die Kinder war aber der Besuch der Möhnen am Triangel, wo sie jede Menge Schicken abgesahnt haben. Man konnte regelrecht sehen, wie manche Kinder mit ihrem Niedlichkeitsbonus gespielt haben, um noch mehr Süßigkeiten zu bekommen. Aber auch für mich war es interessant, mit anzuschauen, da ich diese Tradition nicht kannte und auch der Begriff „Möhne“ mir vorher rein gar nicht gesagt hatte.

Mit dem sehr gesunden Frittenmittagessen (Donnerstag ist bei uns Frittentag) und den Unmengen an Schicken, die die Kinder bis zu diesem Zeitpunkt bereits verdrückt hatten, ging es am Nachmittag mit dem Besuch des Kinderprinzen Giovanni I. weiter, der natürlich für den nächsten Schickenregen gesorgt hat. Nach seiner Vorstellung und einer Vorführung seiner Garde wurde noch einmal „Baby Shark“ getanzt, ehe es wieder für eine zweite Runde in die Ateliers ging.

Der Schultag wurde anschließend noch ganz entspannt im Lehrerzimmer ausgeklungen, so wie es in Sankt Vither Tradition anscheinend üblich ist. Für Dora und mich ging es dann noch nach Eupen, wo wir zumindest versucht haben auch ein wenig Eupener Altweiberkultur aufzuschnappen, jedoch war nicht mehr allzu viel los und wenn überhaupt nur in der Pigalle. Doch so sind wir dann auch schon gegen 20 Uhr zurück zur Wohnung gefahren. Wie es mit unseren Karnevalserfahrungen weiter geht, könnt ihr an späterer Stelle noch lesen.

 

 

Nun zunächst erst einmal zu den Ausflügen, die wir diesen Monat gemacht haben. Ganz entspannt sind wir am 8. Februar nach Spa in die Therme gefahren, um einerseits dem Winter- und Sturmwetter zu entfliehen und andererseits damit Charly ihren Geburtstagsgutschein dort einlösen konnte. Und was soll ich mehr dazu sagen, bis auf dass es richtig gut tat, einfach mal nichts zu tun, außer sich im Wasser treiben zu lassen oder sich auf einem Liegestuhl mit einem guten Buch auszuruhen.

Ein bisschen aufregender ging es dann am folgenden Wochenende zu als wir nach Mechelen gefahren sind. Ich muss sagen, ich hatte zuvor noch nicht allzu viel von dieser Stadt gehört und bin einfach nur mitgefahren, weil ich nichts anderes zu tun hatte (und natürlich auch weil ich so viel wie möglich von Belgien sehen möchte). Aber uns wurde zugetragen, dass dies die schönste Stadt Belgiens sei und naja so richtig konnten wir es nicht bestätigen, auch wenn es schon eine ganz niedliche Stadt ist.

 

 

Interessant war jedoch die Glockenspieltradition, die Mechelen in der ganzen Welt berühmt gemacht hat und von der wir nur durch Zufall dort erfahren haben. Im Glockenturm der Sint-Romboutskathedraal kann man sowohl das alte Glockenspielzimmer sehen, in dem der Glockenspieler früher saß, als auch das mechanische Glockenspiel, welches auch zum Zeitpunkt unserer Besichtigung in Betrieb war. Es war richtig cool zu sehen wie das alles funktioniert und auch wie sich die Zeiger einer Kirchenuhr weiterdrehen. Ganz oben auf dem Kirchturm hatte man dann eine sagenhafte Aussicht bis Brüssel und man konnte sogar das Atomium erkennen.

 

 

Am Rosenmontag begaben wir Freiwillige uns dann schließlich erneut ins Karnevalsgetümmel und schauten uns den Umzug in Eupen an. Es war tatsächlich mein erster Umzug den ich live gesehen hatte und ich muss sagen, dass ich nicht enttäuscht war. Trotz des nicht allzu schönen Wetters war eine super Stimmung und es war faszinierend zu sehen, wie viel Mühe sich die einzelnen Gruppen für ihre Kostüme und Wägen gegeben hatten. Dank der wunderbaren Nachhilfe in Karnevalsmusik jeden Morgen im Auto durch unsere Kollegin, die uns dankenswerterweise mehrmals die Woche mitnimmt, war ich auch nicht ganz so hilflos in dieser mir neuen Welt. Als Ausklang des Tages fand dann noch die Bushofparty statt und alles was ich dazu zu sagen habe, ist, dass es wild, laut und ungewohnt war : ).

 

Die restlichen Karnevalsferien bekam ich dann Besuch von vier Freundinnen aus Deutschland, damit sie auch mal sehen konnten, wo ich denn überhaupt die letzten sechs Monate so gelebt habe. Aber da Eupen nun nicht so groß ist und man eine Stadtführung in unter einer Stunde schaffen kann, sind wir noch für eine Nacht nach Gent gefahren. Das Hostel lag glücklicherweise direkt in der Altstadt und war somit super zentral gelegen. Zusammen haben wir die Straßen und die alten Gebäude erkundet und am zweiten Tag noch eine Bootstour gemacht. Alles in allem kann ich sagen, dass Gent eine sehr schöne Stadt ist, die ich auf jeden Fall noch einmal besuchen möchte. Ich habe natürlich darauf geachtet, dass meine Freundinnen auch ein bisschen von der belgischen Ess- und Sprachkultur mitnehmen. So sind sie jetzt bestens aufgeklärt über die verschiedenen Waffelarten (die wir selbstverständlich auch probiert haben), den Unterschied zwischen Pommes und Fritten und wie es in der Pigalle aussieht.

 

 

Am Samstag haben wir dann noch Aachen erkundet, wobei ich es nun auch endlich mal in den Dom geschafft habe und den Thron von Karl den Großen gesehen habe. Am Sonntag mussten sie dann leider schon wieder zurückfahren, aber dreiviertel von ihnen werde ich zu Ostern wiedersehen, da ich über die Ferien nach Hause fahren werde.

 

Trotz dessen, dass der Februar nur ein kurzer Monat ist, haben wir Freiwillige doch viel erlebt und so geht es Anfang März direkt auch mit dem Mid-Term-Training weiter. Wie das so war erfahrt ihr dann in der nächsten Ausgabe.

 

Bis denne

 

 

 

06.02.2020 - Halbzeit

 

Mit dem 31. Januar wurde nicht nur die alljährliche gemeinsame Konferenz des ZFPs begangen, sondern auch die Halbzeit meines Freiwilligenjahres. Doch zunächst einmal ein Rückblick auf die vergangenen knapp anderthalb Monate.

 

Für Weihnachten holten mich meine Eltern und meine Oma hier in Eupen ab, damit sie sich ein Bild machen konnten, wie ich seit vier Monaten alleine zurechtkam und naja ich brauchte noch einige Sachen von Zuhause, die ich nicht geschickt bekommen konnte oder im Zug transportieren wollte. Zusammen besuchten wir die Weihnachtsmärkte Valkenburg in den Niederlanden und Aachen in Deutschland, ehe es am Sonntag dem 22. Dezember zurück nach Hause ging. Die zwei Wochen, die ich meiner Heimat verbracht habe, vergingen wirklich wie im Flug. Neben dem Entspannen und dem gemeinsamen Weihnachtsfest mit meiner Familie, traf ich mich viel mit Freunden, die ich teilweise über vier Monate nicht gesehen hatte. Doch dadurch, dass ich so viel unterwegs war, kam der Rückreisetag viel zu schnell. Ich verließ meine Familie mit gemischten Gefühlen und einem großen Koffer. Doch ich konnte mich in Eupen einen Tag wieder einleben, bevor es den folgenden Montag wieder in der Schule losging. So fiel es mir wesentlich leichter nicht an Zuhause zu denken und ich war doch auch froh wieder zurück in Belgien zu sein, ich bin ja mittlerweile daran gewöhnt.

 

 

In der Schule ging es direkt wieder (wie üblich) zur Sache. Von neuen Praktikanten über neue Schüler war alles mit dabei. Durch diese neuen Situationen blieb mir auch nicht viel Zeit Heimweh zu haben, da ich sofort wieder in den Alltag geworfen wurde. Trotz diesen vielen Neuigkeiten habe ich das Gefühl, dass sich im Januar nicht viel verändert hat, obwohl dies natürlich nicht der Fall war. Ich habe mir zum einen fest vorgenommen in der nächsten Zeit auch mal in den anderen Klassen und bei den Therapeuten nach und nach zu hospitieren. Und zum anderen habe ich mir einige Dinge überlegt, die ich als meine eigenen Projekte mit den Kindern machen möchte und die ich bereits jetzt schon so langsam vorbereite.

Etwas Neues das ich diesen Monat miterleben durfte, war der Schwimmmarathon, den ich so bisher noch nicht kannte. Bei uns in Deutschland gibt es so etwas in ähnlicher Form jedoch werden Runden gelaufen, aber im Prinzip ist es dasselbe. Was mir neu war, ist das hier auch viele Erwachsene oder Gruppen teilnehmen und nicht nur Schüler. Sehr amüsant (aber auch toll) war es mit anzusehen, wie die Schüler sich als Mannschaft gefühlt haben und unbedingt ihren Teil beitragen wollten. Sie (und ich auch) waren sehr stolz auf die knapp 200 Längen, die sie zusammen geschwommen waren.

Außerdem fanden wie bereits erwähnt als großes Ereignis die gemeinsame Konferenz samt Neujahresempfang statt, an dem wir Freiwilligen natürlich auch teilgenommen haben. Ich muss sagen, dass ich doch sehr überrascht war, wie viele Mitarbeiter das ZFP hat, da ich bis dato ja nur den Teil aus St. Vith kannte. Trotzdem war es sehr interessant, sich auszutauschen, die Kollegen der anderen Freiwilligen mal kennenzulernen und etwas über neue Themen zu erfahren. Auch der Neujahresempfang war sehr amüsant, vor allem da man so noch einmal die Möglichkeit hatte sich mit den Kollegen auch außerhalb der Schule zu unterhalten und etwas Spaß zu haben.

 

Im Januar haben wir Freiwillige schon erstaunlich viele, wenn auch eher kleinere Ausflüge gemacht. Am ersten Wochenende haben wir den Geburtstag von einer Freiwilligen mit einem sehr leckeren Essen und einem Besuch in die Pigalle gefeiert. Am 12. fuhren wir unüberlegter Weise an einem Sonntag nach Malmedy. Nicht nur dass die meisten Geschäfte geschlossen waren, regnete es am Nachmittag auch noch. Trotzdem hatten wir zu dritt einen schönen Tag und haben uns im Malmundarium ein bisschen über die Geschichte Malmedys informiert.

 

 

Am darauffolgenden Wochenende ging es auf zu einem kleinen Abenteuer und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich das garantiert nicht noch einmal machen werde. In einer großen Gruppe Freiwilliger machten wir uns auf den Weg nach Boskanter, das ist ein Selbstversorger Bauernhof irgendwo zwischen Gent und Brüssel (also wirklich in der Pampa gelegen). An sich ist die Idee des Hofes und des Zusammentreffens ja ganz schön, vor allem da wir so einige Freiwillige noch einmal getroffen haben, die kurz danach abgereist sind, da ihr Projekt geendet ist. Jedoch ist dieses Leben in Boskanter speziell überhaupt nicht meins. Nachts war es sehr sehr kalt (trotz Schlafsack und mehreren Schichten Klamotten) da das Haus in dem wir schliefen weder isoliert noch wirklich beheizbar ist. Des Weiteren war die Toiletten-Situation sehr interessant, da es sich dabei um eine Komposttoilette handelt. Genauer gesagt also um einen Eimer mit Klobrille, in das man ein Eimerchen Sägespäne kippte, um zu „spülen“. Mal abgesehen von diesen Unannehmlichkeiten war es trotzdem ganz schön, auch mit den anderen Freiwilligen einen Ausflug zu machen und sich über deren bisherigen Aufenthalt auszutauschen.

 

 

Auch am nächsten Wochenende war nicht an ausruhen zu denken. Am Samstag machten wir unseren obligatorischen, monatlichen Trip nach Aachen, um unter Anderem natürlich zu DM zu gehen und auch um ein Kostüm für Karneval zu finden. Ob ihr es glaubt oder nicht, aber ich habe seit bestimmt acht Jahren kein Fasching, wie ich es eher nennen würde, gefeiert, deswegen musste ich ganz schön kreativ werden, was mein Kostüm angeht. Dank meiner Unfähigkeit sich zu entscheiden, habe ich mich seitdem natürlich noch mal umentschieden und nun ein anderes Kostüm, als vorher geplant, ausgesucht. Den Sonntag und das schöne Wetter nutzten wir, um zum Dreiländereck in die Niederlande zu fahren. So wurde endlich mein Wunsch erfüllt, einmal in zwei Ländern gleichzeitig zu stehen, und naja ich konnte es sogar noch übertreffen, da es sogar drei Länder waren. Weil die Sonne so schön schien, haben wir uns noch kurzfristig dazu entschlossen, die ca. 30 Minuten nach Vaals zu spazieren und so die Natur so richtig auszukosten. Alles schön und gut wären wir nicht mitten über die Mountainbikestrecke, die dort durch den Wald verläuft, gewandert, was dementsprechend einerseits durchaus gefährlich ist aber andererseits auch sehr steil war. Aber zum Glück ist alles gut gelaufen und wir sind nicht über den Haufen gefahren worden.

 

 

Auf das nächste halbe Jahr, das hoffentlich genauso aufregend wird, wenn nicht vielleicht noch besser. Wir haben vieles bis Ostern geplant und ihr könnte gespannt bleiben, was wir noch so alles erleben werden.

 

 

 

20.12.2019 - Es weihnachtet sehr im ZFP

 

Die Vorweihnachtszeit ist nun auch im ZFP so richtig angekommen. Überall ist geschmückt und zwei- bis dreimal die Woche findet der gemeinsame Adventskalender statt, der einen so richtig in Weihnachtsstimmung versetzt, da viele Weihnachtslieder gesungen werden (Ich kenne erstaunlich wenige Adventslieder und bin sehr froh über die Liederfahde beim Singen).

 

Auch im Unterricht hält Weihnachten und zuletzt auch Nikolaus Einzug.

Bereits am 3. Dezember kehrte der heilige Sankt Nikolaus bei uns in St. Vith ein und schaute sich ein buntes Programm an, welches mit vielen Weihnachts- und Nikolauslieder abgerundet wurde. Es war schön zu sehen, wie toll die Kinder ihre Stücke aufgeführt haben und wie unterschiedlich die Ideen der einzelnen Klassen doch waren. So haben die Schüler viel über Meerestiere, Bienen und Selbstbewusstsein gelernt. Auch einige Lieder sind in den Ohren geblieben (Guck mal diese Biene da, summ summ…). Zuletzt besuchte der Nikolaus noch die einzelnen Klassen und sagte ein paar Sätze zu jedem Kind, was sie sich doch bitte für die nächste Zeit zu Herzen nehmen sollen. In diesem Moment schien es wirklich zu wirken, doch als eine halbe Stunde später die Pause anfing, war die Freude über die Geschenke, die der Nikolaus ihnen gebracht hatte dann doch größer als das Versprechen, das sie gerade gegeben hatten.

Auch mich und Dora hatte der Nikolaus natürlich nicht vergessen. Wir bekamen ein paar nette Worte gesagt, was mich doch etwas verlegen gemacht hatte. Danke an dieser Stelle an diejenigen, die das eingefädelt haben, es hat mich sehr gefreut.

Dann begann der eigentliche Spaß für die Kinder. Sie durften ihre Geschenke auspacken darunter ein neuer Fußball, neue Autos, einen Autoteppich und zwei neue Spiele, die nun sehr gerne gespielt werden.

Kleiner Tipp am Rande: spielt „Wer bin ich“ immer mit mindestens zwei Erwachsenen, ansonsten kann es ganz schön schwer werden, zu erraten, was man ist.

 

So habe ich auch mein erstes eigenes Projekt dem Thema Weihnachten gewidmet und habe mit den Kindern eine Weihnachtskarte gebastelt. Es war schön zu sehen, wie sehr sich die Kinder darüber gefreut haben und manchen hat es sogar so viel Spaß gemacht, dass sie gleich noch eine zweite Karte gebastelt haben. In der nächsten Woche war es dann für sie schwer zu verstehen, dass ich die Zeichen-Aktivität nicht mit ihnen mache, obwohl es ihnen so viel Freude gemacht hatte. Aber dafür durfte ich ihnen drei Weihnachtsmannschlitten, einen Weihnachtsmann und ein Rentier malen, welches sie dann nur noch ausmalen mussten (ich werde generell nie von ihnen ausgebeutet beim Zeichnen und anschließend auch noch für meine Zeichenkünste kritisiert).

 

Die letzte Woche fing auch ganz entspannt an mit meiner ersten richtigen Konferenz zum Thema „Präventiver Umgang mit Verhaltensstörungen“. Das Thema war hochinteressant und auch wenn der Tag sehr lang gewesen ist und der Vortrag mit vielen Fachbegriffen gespickt war, hat es mir viel Spaß gemacht.

Allgemein wird die jetzige Woche ausschließlich Weihnachten gewidmet und alles auf die bevorstehenden Ferien vorbereitet. So durften die Kinder bereits am Dienstag als kleines Weihnachtsgeschenk einen Film schauen und wir haben die Weihnachtskarten geschrieben, die wir gebastelt haben.

Ich bin schon gespannt auf den letzten Freitag vor den Ferien, da dieser besonders stressig werden soll, so wurde mir gesagt, aber ich denke, dass das Programm doch sehr vielversprechend ist und ich mich auf einen schönen letzten Schultag mit einer Weihnachtsfeier unter Kollegen freuen kann.

 

Doch auch außerhalb der Schule hat Weihnachten im Leben der Freiwilligen Einzug gehalten. Ob es Weihnachtsshopping im wunderschönen Maastricht, gemeinsames Plätzchen backen oder unsere eigene kleine Weihnachtsfeier mit Wichteln, Konzert und Weihnachtsmarkt ist. Uns fällt eigentlich jedes Wochenende etwas ein, was wir machen können, so dass uns wirklich nie langweilig wird, sondern wir eigentlich eher gestresst sind von den ganzen Terminen.

Am Samstag kommen mich meine Eltern und meine Oma besuchen, mit denen ich die Weihnachtsmärkte in Valkenburg und Aachen besichtigen werde, ehe dann am Sonntag die Heimreise angetreten wird.

 

Ich wünsche all meinen Lesern eine besinnliche Weihnachtszeit und auch jetzt schon einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was das neue Jahr mir für aufregende Herausforderungen und Erfahrungen bringen wird und ich bin mir sicher, dass es genauso toll wird wie die ersten vier Monate. (Die Zeit ist echt verflogen. Ich kann es nicht oft genug sagen, aber es kommt mir gar nicht so vor

 

 

 

09.12.2019 - November News

 

Und schon ist auch der November vorbei. Obwohl ich den Eindruck habe, dass die Zeit viel zu schnell vergeht, genieße ich jeden Augenblick und jede Erfahrung, die ich machen kann.

 

Wie versprochen werdet ihr alle endlich erfahren, nach dem ihr sicherlich sehnsüchtig darauf gewartet habt, was ein On-Arrival-Training ist. Das On-Arrival-Training ist verpflichtend für alle Teilnehmer des Europäischen Solidaritätskorps und soll dazu dienen, dass man einerseits nützliche Informationen über das bevorstehende Freiwilligenjahr erhalten soll, aber andererseits auch Kontakte mit anderen Freiwilligen knüpfen kann. Dabei haben wir dort so viel erlebt, dass ich ein ganzes Buch alleine darüberschreiben könnte.

Mehr oder weniger entspannt ging es für uns Freiwillige aus der DG gemeinsam am Bahnhof in Eupen um 11:14 Uhr los. Da wir natürlich das deutsche Stereotyp bedienten, waren wir die Ersten, die im Hostel angekommen sind und zudem über eine Stunde zu früh. Nachdem alle angekommen waren und die Zimmer aufgeteilt wurden, starteten wir mit den obligatorischen Kennenlernspielchen, wobei wir auch tiefgründigen Themen, wie was ist mein „spirit animal“, diskutierten und alle haben ihre Projekte vorgestellt, in denen sie arbeiten.

 

Der Dienstag startete nach dem Frühstück mit einem erfrischenden Spaziergang, bei dem wir uns weiter über unser Freiwilligenjahr und alles was darum geschieht, austauschen konnten. Während der ganzen Woche hatten wir immer wieder sogenannte Sessions, bei denen wir über Themen diskutiert haben, die einerseits mit unserer Freiwilligentätigkeit zu tun hatten, aber auch zum Nachdenken und Lernen anregen sollten. So habe ich zum Beispiel gelernt, wie man eine Krawatte bindet jedoch nicht wie man mit drei Bällen jongliert.

Einen großen Teil unserer Zeit nahm „Das Projekt“ ein, zu dem wir vorher nicht viele Informationen erhalten haben und uns relativ Freihand gelassen wurde. Die einzigen Kriterien, die wir erfüllen mussten, waren zum Beispiel, dass es Spaß machen sollte, uns etwas für unser Freiwilligenjahr nutzen sollte und nicht im Internet zu finden sein sollte. Das ist nicht sehr hilfreich, vor allem da wir dazu gezwungen wurden, den ganzen Mittwoch von 10 bis 17Uhr außerhalb des Hostels zu verbringen. Ich fand schließlich meine Gruppe, in der wir in der belgischen Kleinstadt Halle Menschen auf der Straße fragten, was sie von der belgischen Identität halten beziehungsweise, ob sie denken, dass diese überhaupt existiert. Dabei merkte ich selber, wie ich an diesem Tag über mich hinauswuchs. Ich musste zunächst fremde Leute auf der Straße ansprechen und als wäre das nicht schon genug, musste ich mit vielen auf Französisch reden! Doch es lief erstaunlich gut und die Menschen aus Halle nahmen es mir auch nicht übel, dass ich sie durchweg geduzt habe. Aber da ich schon so mit der Kommunikation auf Französisch allein überfordert war, konnte ich nicht auch noch auf Grammatik und Ausdruck achten. Anschließend verbrachten meine Gruppe und ich noch gut zwei bis drei Stunden damit, die Ergebnisse auszuwerten und sie ansprechend auf Flipcharts zu übertragen. Dies war eine erstaunlich anstrengende aber sehr lustige Prozedur. Am Ende dieses Tages waren wir alle sehr K.O. und keiner hatte mehr so wirklich Lust, das Nachtleben von Brüssel zu erkunden, da wir schon alleine damit überfordert waren, welche Sprache man sprechen sollte oder wollte. So redete ich mit Deutschsprachigen auf Englisch und mit Leuten, die kein Wort Deutsch konnten, auf Deutsch.

Am Donnerstag starteten wir frisch ausgeschlafen nach dem Frühstück mit den Präsentationen der Projekte, sodass wir alle endlich erfahren haben, was die anderen Gruppen den Tag zuvor gemacht hatten. So gab verbrachte meine Mitbewohnerin Dora zum Beispiel ihren Tag in Brüssel und ging der Frage nach, wie grün Belgien ist, während eine andere Gruppe in ein kleines Dorf gefahren ist und der belgischen Volksmusik auf den Spuren war. Nach dem Mittagessen ging es dann weiter zum nächsten Highlight, auf das ich mich schon seit Beginn des Trainings gefreut hatte. Als erste Gruppe eines On-Arrival-Trainings überhaupt besichtigten wir das EU-Parlament oder eher gesagt wir machten ein Rollenspiel im Besucherzentrum dort. Trotz anfänglichen Verständnisschwierigkeiten und ständigem Zeitdruck hat es am Ende doch viel Spaß gemacht und alle gingen stolz mit einem Zertifikat über die Teilnahme nach Hause, dass wir uns alle einrahmen und aufhängen wollen, so stolz sind wir darauf. Aber am Ende des Tages realisierte ich, wie ich mich auch an diesem Tag über meine Grenzen hinausgewagt hatte, denn ich hätte nicht gedacht, dass ich vor etwa 30 Personen spontan eine Rede über Maßnahmen gegen Wasserverschwendung halten könnte oder eine Pressekonferenz ohne Vorbereitung machen kann, auch wenn es nur gespielt war.

Abends lud uns noch ein Trainer dazu ein, „belgische“ Volkstänze zu lernen. Auch wenn ich mich total ungeschickt angestellt hatte und allen anderen ständig auf die Füße getreten habe, machte es trotzdem Spaß. Als Abschluss des Tages ließen sich ein Teil der Gruppe und ich auf das Brüsseler Nachtleben ein und feierten zum Beispiel in einer Karaokebar, in der wir zu uns unbekannten niederländischen Liedern tanzten oder uns selber an Mamma Mia von ABBA versuchten.

 

Nachdem am nächsten Morgen dann alle mehr oder wenig pünktlich zur ersten Session erschienen waren (die letzten kamen über zwei Stunden zu spät), ging es für alle mit einem dreistündigen Stadtrundgang weiter. Unser Stadtführer hatte sichtlich Spaß an dem Rundgang und gab uns allerlei interessante Informationen über Brüssel und seine Geschichte, doch nach zwei Stunden war es für die meisten (auch für mich) einfach zu viel und zu kalt, denn das fünfte Beispiel für die Gentrifizierung in Brüssel war dann doch etwas unnötig als interessant. Doch allem in allem war es ein sehr schöner Programmpunkt, der in Zukunft hoffentlich optimiert wird.

Im Anschluss an das Abendessen wurde unser Wissen über Belgien abgefragt und ich muss sagen, ich war überrascht was es doch für komische Traditionen gibt. Denn wer hätte gedacht, dass so etwas wie Kuhfladen-Bingo existiert oder die teuerste Renntaube aus Belgien kommt. Dank der grandiosen Darbietung von „Ik wil je“ von „De Kreuners“, die meine Gruppe und ich, konnten wir sogar gewinnen. Gemeinsam ließen wir unseren letzten Abend in Brüssel ausklingen, wenn auch etwas ruhiger als den zuvor.

 

Rückblickend konnte ich nicht nur neue Menschen und Freunde kennenlernen, sondern wir als Gruppe aus Freiwilligen der DG konnten noch näher zusammenwachsen. Und auch wenn das On-Arrival-Training für uns nach gut drei Monaten sehr spät war, konnten wir einiges auch über Belgien und die Zeit, die uns bevorsteht, lernen.

 

Nach dieser aufregenden Woche waren alle auch wieder froh, zurück in ihr Projekt zukehren und man hat gemerkt, wie sehr man doch in St. Vith sowohl von den Kindern als auch von den Lehrern vermisst wurde. Und ich muss sagen, dass sie mir auch gefehlt haben. 

 

So anstrengend auch der November war, im Dezember kommen auch einige interessante Projekte auf mich zu. Sei es die Nikolausfeier oder mein erstes eigenes Projekt, welches ich mit den Kindern machen werde. Es wird wohl nie langweilig werden im ZFP.

 

 

12.11.2019 - Ein erneutes Hallo von mir!

 

Nach einem doch recht turbulenten und anstrengenden ersten Monat ist nun auch schon der zweite für mich im ZFP und in Eupen vorbei. Es ist echt erstaunlich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich bin jetzt so richtig im Alltag angekommen, was so viel heißt wie jede Woche nach dem Schwimmen, wenn die Schüler sich wieder anziehen, mindestens dreimal auf die Frage „Fräulein, ist mein Rücken noch nass?“ mit „Ja“ zu antworten und fast jede Mittagspause mit Kollegen das Kreuzworträtsel in der Tageszeitung zu lösen (oder es zumindest zu versuchen). Besonders machen mir und natürlich auch den Kindern die außergewöhnlichen Projekte Spaß, die in der Schule immer wieder anstehen. So begleitete ich die Forscher mit einer Imkerin zu einem Bienenstock, nahm am Teacher’s Day teil und pflanzte zusammen mit der gesamten Schule ungefähr 200 Bäume. Aber auch „normale“ Tage bleiben selten unspektakulär und machen mir immer Spaß. Jeder Tag bietet eine neue Herausforderung, die es zu meistern gilt, doch das ist mir gerade recht, denn dies bietet mir schließlich auch die Möglichkeit, mich selbst weiterzuentwickeln. So habe ich beispielsweise meine handwerklichen Fähigkeiten auf ein neues Level gebracht (ich kann jetzt Knöpfe richtig annähen!!) und habe durch alltägliche Situationen auch schon vieles über den Umgang mit Kindern dazugelernt. Dabei fällt mir selber schon auf, wie ich mich im Vergleich zum Anfang schon verändert habe. Ich bin ihnen viel offener gegenüber, mache mehr Späße und es gelingt mir mich öfter auch mal durchzusetzen. Dennoch bleibt es anstrengend, auch wenn ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, dass ich abends einfach nur ins Bett fallen möchte, morgens nicht aufstehen will, weil ich noch so müde bin, aber die Vorfreude auf die Schule lockt mich dann doch aus den Federn. Die Zeit im Bus nutze ich aber trotzdem, um noch mehr schlafen zu können..

 

In den Allerheiligenferien nutzten ich und zwei weitere Freiwillige unsere freie Zeit und fuhren für fünf Tage ins wunderschöne Paris. Für mich war es der erste aber hoffentlich nicht letzte Besuch in der französischen Hauptstadt. Paris ist tatsächlich zu einer meiner Lieblingsstädte geworden. Neben den klassischen Touristenattraktionen, die ich natürlich unbedingt sehen wollte, wie den Eiffelturm, Notre-Dame und den Arc de Triumph, haben wir auch viele kleine Gässchen erkundet, waren im Montmartre (was mir bis dato noch nicht bekannt war) und haben im Marais die kleinen Geschäfte bestaunt. Auch wenn es nur kurze fünf Tage waren, hatten wir das Gefühl, den Pariser Flair wenigstens ein bisschen, aufgeschnappt zu haben. Mit Pausen in gemütlichen Cafés mischten wir uns unter die Pariser und schlossen uns einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen an: auch im etwas frischen Oktober draußen (unter Wärmestrahlern wohlgemerkt) mit einer Tasse Tee oder einem Kaffee in der Hand zu sitzen. Dabei beobachteten wir die vorbeischlendernden Pärchen, verwirrten Touristen und die Pariser in ihrem Alltag. Von der französischen Küche und der Backkunst (an die ich persönlich sehr hohe Erwartungen gestellt hatte) wurden wir nicht enttäuscht. Von der Zwiebelsuppe über Crêpes bis hin zu dem fluffigsten Croissant, das ich je gegessen habe, war ich mehr als zufriedengestellt. So hatten wir auch mal den Wunsch, unsere Barretts vor den Köchen zu ziehen.

Dadurch, dass eine der Freiwilligen bereits dreimal in Paris war, konnte sie uns super durch die Stadt leiten, kannte sich mit der Metro aus und zeigte uns auch weniger bekannte Orte. (An dieser Stelle: Danke Charly)

 

In der nächsten Zeit möchte ich mir auch verstärkt Belgien anschauen, wozu ich durch das On-Arrival-Training, welches in zwei Wochen in Brüssel stattfindet, bereits die Gelegenheit bekomme. Näheres dazu und was das On-Arrival-Training überhaupt ist, gibt es in der Novemberausgabe.

 

Mit diesen Worten verabschiede ich mich für diesen Monat und hoffe, dass euch diese kleinen Einblicke in mein Leben hier in Eupen gefallen und ihr weiterhin meine Kolumne lesen werdet.

 

Bis nächsten Monat

Vanessa

 

 

23.10.2019 - Über das Leben einer Freiwilligen in Eupen und Sankt Vith

 

Hallo alle zusammen,

ich bin Vanessa, 18 Jahre alt und komme aus Deutschland. Seit einem Monat bin ich jetzt schon hier in Belgien im ZFP St. Vith als Europäische Freiwillige. In dieser Kolumne werde ich euch ungefähr einmal im Monat etwas mehr erzählen, wie es ist eine Freiwillige im ZFP zu sein und was ich alles erlebe.

 

Der erster meiner zehn Monate hier ist scheinbar nur so an mir vorbeigezogen, denn ich erinnere mich noch an meine Ankunft in Eupen als wäre es gestern gewesen. Es war ein warmer Samstag in Eupen gefüllt mit Erwartungen, Spannung, aber bis zu einem gewissen Grad auch mit Unsicherheit. Immerhin ist es das erste Mal, dass ich für einen längeren Zeitraum alleine ohne Eltern leben werde und noch dazu im Ausland! Wie würde die Schule sein? Würde ich mich gut einleben können? Wie ist das Zusammenleben mit meiner Mitbewohnerin? Diese hatte ich immerhin noch nie zuvor gesehen. Doch nachdem wir dann unsere Sachen alle ausgepackt hatten, war mir klar gewesen, dass mir das „WG-Leben“ keinerlei Probleme bereiten würde. So begannen die ersten vier Wochen, die letzten Endes voll bepackt waren mit neuen Gesichtern und Namen, einem neuen Alltag und neuen Erfahrungen. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben in vier Wochen schon so viel Neues erlebt und probiert habe, sei es Essen, Aktivitäten oder Aufgaben, die ich übernommen habe.

Dabei fiel mir das Einleben auch im ZFP erstaunlich leicht und ich wusste schnell, was ich so ungefähr zu tun habe. Wobei es wohl noch Wochen dauern wird, ehe ich weiß, wohin die ganzen Bastelsachen weggeräumt werden. Die beste Erfahrung, die ich bisher machen konnte, war die Freundlichkeit, die mir an den Tag gelegt wird. Sowohl die Lehrerinnen und Lehrer als auch die Kinder waren mir gegenüber sehr offen und haben mich in ihre Gemeinschaft wunderbar aufgenommen. Ich kann es gar nicht begreifen, wie sehr mir alle bereits jetzt schon ans Herz gewachsen sind.

Es ist erstaunlich wie schnell ich mich an meine Aufgaben gewöhnt habe und es macht mir riesigen Spaß den Kindern im Unterricht zu helfen, mit ihnen zu basteln oder zu spielen. Natürlich ist der Schulalltag ganz schön anstrengend und manchmal auch nervenaufreibend, vor allem wenn es Konflikte gibt, doch ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben.

Obwohl Eupen im Gegensatz zu meiner Heimatstadt ein ganzes Stück kleiner ist, kann man hier als Freiwillige(r) ziemlich viel erleben. Insgesamt sind wir hier zu siebt, also vier Freiwillige im ZFP und noch drei weitere, die in anderen Organisationen arbeiten. Es findet sich immer etwas, das man zusammen an den Wochenenden oder Abenden machen kann. So waren wir bereits in Aachen, an der Wesertalsperre, auf der Kirmes in der Unterstadt oder haben zusammen gekocht, was ziemlich abenteuerlich werden kann in einem kleinen Zimmer mit einem ziemlich kleinen Topf.

 

 

Ich kann sagen, dass ich in diesem Monat schon so viel über mich selbst und die belgische Kultur gelernt habe, dass ich mich wohl sehr auf die kommenden Monate freue. Mal schauen, was mich so alles erwarten wird, welche Aufgaben ich übernehmen darf und was Belgien noch zu bieten hat, denn bis jetzt habe ich ja nur einen kleinen Teil gesehen.

 

 

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