06.02.2020 - Halbzeit

 

Mit dem 31. Januar wurde nicht nur die alljährliche gemeinsame Konferenz des ZFPs begangen, sondern auch die Halbzeit meines Freiwilligenjahres. Doch zunächst einmal ein Rückblick auf die vergangenen knapp anderthalb Monate.

 

Für Weihnachten holten mich meine Eltern und meine Oma hier in Eupen ab, damit sie sich ein Bild machen konnten, wie ich seit vier Monaten alleine zurechtkam und naja ich brauchte noch einige Sachen von Zuhause, die ich nicht geschickt bekommen konnte oder im Zug transportieren wollte. Zusammen besuchten wir die Weihnachtsmärkte Valkenburg in den Niederlanden und Aachen in Deutschland, ehe es am Sonntag dem 22. Dezember zurück nach Hause ging. Die zwei Wochen, die ich meiner Heimat verbracht habe, vergingen wirklich wie im Flug. Neben dem Entspannen und dem gemeinsamen Weihnachtsfest mit meiner Familie, traf ich mich viel mit Freunden, die ich teilweise über vier Monate nicht gesehen hatte. Doch dadurch, dass ich so viel unterwegs war, kam der Rückreisetag viel zu schnell. Ich verließ meine Familie mit gemischten Gefühlen und einem großen Koffer. Doch ich konnte mich in Eupen einen Tag wieder einleben, bevor es den folgenden Montag wieder in der Schule losging. So fiel es mir wesentlich leichter nicht an Zuhause zu denken und ich war doch auch froh wieder zurück in Belgien zu sein, ich bin ja mittlerweile daran gewöhnt.

 

 

In der Schule ging es direkt wieder (wie üblich) zur Sache. Von neuen Praktikanten über neue Schüler war alles mit dabei. Durch diese neuen Situationen blieb mir auch nicht viel Zeit Heimweh zu haben, da ich sofort wieder in den Alltag geworfen wurde. Trotz diesen vielen Neuigkeiten habe ich das Gefühl, dass sich im Januar nicht viel verändert hat, obwohl dies natürlich nicht der Fall war. Ich habe mir zum einen fest vorgenommen in der nächsten Zeit auch mal in den anderen Klassen und bei den Therapeuten nach und nach zu hospitieren. Und zum anderen habe ich mir einige Dinge überlegt, die ich als meine eigenen Projekte mit den Kindern machen möchte und die ich bereits jetzt schon so langsam vorbereite.

Etwas Neues das ich diesen Monat miterleben durfte, war der Schwimmmarathon, den ich so bisher noch nicht kannte. Bei uns in Deutschland gibt es so etwas in ähnlicher Form jedoch werden Runden gelaufen, aber im Prinzip ist es dasselbe. Was mir neu war, ist das hier auch viele Erwachsene oder Gruppen teilnehmen und nicht nur Schüler. Sehr amüsant (aber auch toll) war es mit anzusehen, wie die Schüler sich als Mannschaft gefühlt haben und unbedingt ihren Teil beitragen wollten. Sie (und ich auch) waren sehr stolz auf die knapp 200 Längen, die sie zusammen geschwommen waren.

Außerdem fanden wie bereits erwähnt als großes Ereignis die gemeinsame Konferenz samt Neujahresempfang statt, an dem wir Freiwilligen natürlich auch teilgenommen haben. Ich muss sagen, dass ich doch sehr überrascht war, wie viele Mitarbeiter das ZFP hat, da ich bis dato ja nur den Teil aus St. Vith kannte. Trotzdem war es sehr interessant, sich auszutauschen, die Kollegen der anderen Freiwilligen mal kennenzulernen und etwas über neue Themen zu erfahren. Auch der Neujahresempfang war sehr amüsant, vor allem da man so noch einmal die Möglichkeit hatte sich mit den Kollegen auch außerhalb der Schule zu unterhalten und etwas Spaß zu haben.

 

Im Januar haben wir Freiwillige schon erstaunlich viele, wenn auch eher kleinere Ausflüge gemacht. Am ersten Wochenende haben wir den Geburtstag von einer Freiwilligen mit einem sehr leckeren Essen und einem Besuch in die Pigalle gefeiert. Am 12. fuhren wir unüberlegter Weise an einem Sonntag nach Malmedy. Nicht nur dass die meisten Geschäfte geschlossen waren, regnete es am Nachmittag auch noch. Trotzdem hatten wir zu dritt einen schönen Tag und haben uns im Malmundarium ein bisschen über die Geschichte Malmedys informiert.

 

 

Am darauffolgenden Wochenende ging es auf zu einem kleinen Abenteuer und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich das garantiert nicht noch einmal machen werde. In einer großen Gruppe Freiwilliger machten wir uns auf den Weg nach Boskanter, das ist ein Selbstversorger Bauernhof irgendwo zwischen Gent und Brüssel (also wirklich in der Pampa gelegen). An sich ist die Idee des Hofes und des Zusammentreffens ja ganz schön, vor allem da wir so einige Freiwillige noch einmal getroffen haben, die kurz danach abgereist sind, da ihr Projekt geendet ist. Jedoch ist dieses Leben in Boskanter speziell überhaupt nicht meins. Nachts war es sehr sehr kalt (trotz Schlafsack und mehreren Schichten Klamotten) da das Haus in dem wir schliefen weder isoliert noch wirklich beheizbar ist. Des Weiteren war die Toiletten-Situation sehr interessant, da es sich dabei um eine Komposttoilette handelt. Genauer gesagt also um einen Eimer mit Klobrille, in das man ein Eimerchen Sägespäne kippte, um zu „spülen“. Mal abgesehen von diesen Unannehmlichkeiten war es trotzdem ganz schön, auch mit den anderen Freiwilligen einen Ausflug zu machen und sich über deren bisherigen Aufenthalt auszutauschen.

 

 

Auch am nächsten Wochenende war nicht an ausruhen zu denken. Am Samstag machten wir unseren obligatorischen, monatlichen Trip nach Aachen, um unter Anderem natürlich zu DM zu gehen und auch um ein Kostüm für Karneval zu finden. Ob ihr es glaubt oder nicht, aber ich habe seit bestimmt acht Jahren kein Fasching, wie ich es eher nennen würde, gefeiert, deswegen musste ich ganz schön kreativ werden, was mein Kostüm angeht. Dank meiner Unfähigkeit sich zu entscheiden, habe ich mich seitdem natürlich noch mal umentschieden und nun ein anderes Kostüm, als vorher geplant, ausgesucht. Den Sonntag und das schöne Wetter nutzten wir, um zum Dreiländereck in die Niederlande zu fahren. So wurde endlich mein Wunsch erfüllt, einmal in zwei Ländern gleichzeitig zu stehen, und naja ich konnte es sogar noch übertreffen, da es sogar drei Länder waren. Weil die Sonne so schön schien, haben wir uns noch kurzfristig dazu entschlossen, die ca. 30 Minuten nach Vaals zu spazieren und so die Natur so richtig auszukosten. Alles schön und gut wären wir nicht mitten über die Mountainbikestrecke, die dort durch den Wald verläuft, gewandert, was dementsprechend einerseits durchaus gefährlich ist aber andererseits auch sehr steil war. Aber zum Glück ist alles gut gelaufen und wir sind nicht über den Haufen gefahren worden.

 

 

Auf das nächste halbe Jahr, das hoffentlich genauso aufregend wird, wenn nicht vielleicht noch besser. Wir haben vieles bis Ostern geplant und ihr könnte gespannt bleiben, was wir noch so alles erleben werden.

 

 

 

20.12.2019 - Es weihnachtet sehr im ZFP

 

Die Vorweihnachtszeit ist nun auch im ZFP so richtig angekommen. Überall ist geschmückt und zwei- bis dreimal die Woche findet der gemeinsame Adventskalender statt, der einen so richtig in Weihnachtsstimmung versetzt, da viele Weihnachtslieder gesungen werden (Ich kenne erstaunlich wenige Adventslieder und bin sehr froh über die Liederfahde beim Singen).

 

Auch im Unterricht hält Weihnachten und zuletzt auch Nikolaus Einzug.

Bereits am 3. Dezember kehrte der heilige Sankt Nikolaus bei uns in St. Vith ein und schaute sich ein buntes Programm an, welches mit vielen Weihnachts- und Nikolauslieder abgerundet wurde. Es war schön zu sehen, wie toll die Kinder ihre Stücke aufgeführt haben und wie unterschiedlich die Ideen der einzelnen Klassen doch waren. So haben die Schüler viel über Meerestiere, Bienen und Selbstbewusstsein gelernt. Auch einige Lieder sind in den Ohren geblieben (Guck mal diese Biene da, summ summ…). Zuletzt besuchte der Nikolaus noch die einzelnen Klassen und sagte ein paar Sätze zu jedem Kind, was sie sich doch bitte für die nächste Zeit zu Herzen nehmen sollen. In diesem Moment schien es wirklich zu wirken, doch als eine halbe Stunde später die Pause anfing, war die Freude über die Geschenke, die der Nikolaus ihnen gebracht hatte dann doch größer als das Versprechen, das sie gerade gegeben hatten.

Auch mich und Dora hatte der Nikolaus natürlich nicht vergessen. Wir bekamen ein paar nette Worte gesagt, was mich doch etwas verlegen gemacht hatte. Danke an dieser Stelle an diejenigen, die das eingefädelt haben, es hat mich sehr gefreut.

Dann begann der eigentliche Spaß für die Kinder. Sie durften ihre Geschenke auspacken darunter ein neuer Fußball, neue Autos, einen Autoteppich und zwei neue Spiele, die nun sehr gerne gespielt werden.

Kleiner Tipp am Rande: spielt „Wer bin ich“ immer mit mindestens zwei Erwachsenen, ansonsten kann es ganz schön schwer werden, zu erraten, was man ist.

 

So habe ich auch mein erstes eigenes Projekt dem Thema Weihnachten gewidmet und habe mit den Kindern eine Weihnachtskarte gebastelt. Es war schön zu sehen, wie sehr sich die Kinder darüber gefreut haben und manchen hat es sogar so viel Spaß gemacht, dass sie gleich noch eine zweite Karte gebastelt haben. In der nächsten Woche war es dann für sie schwer zu verstehen, dass ich die Zeichen-Aktivität nicht mit ihnen mache, obwohl es ihnen so viel Freude gemacht hatte. Aber dafür durfte ich ihnen drei Weihnachtsmannschlitten, einen Weihnachtsmann und ein Rentier malen, welches sie dann nur noch ausmalen mussten (ich werde generell nie von ihnen ausgebeutet beim Zeichnen und anschließend auch noch für meine Zeichenkünste kritisiert).

 

Die letzte Woche fing auch ganz entspannt an mit meiner ersten richtigen Konferenz zum Thema „Präventiver Umgang mit Verhaltensstörungen“. Das Thema war hochinteressant und auch wenn der Tag sehr lang gewesen ist und der Vortrag mit vielen Fachbegriffen gespickt war, hat es mir viel Spaß gemacht.

Allgemein wird die jetzige Woche ausschließlich Weihnachten gewidmet und alles auf die bevorstehenden Ferien vorbereitet. So durften die Kinder bereits am Dienstag als kleines Weihnachtsgeschenk einen Film schauen und wir haben die Weihnachtskarten geschrieben, die wir gebastelt haben.

Ich bin schon gespannt auf den letzten Freitag vor den Ferien, da dieser besonders stressig werden soll, so wurde mir gesagt, aber ich denke, dass das Programm doch sehr vielversprechend ist und ich mich auf einen schönen letzten Schultag mit einer Weihnachtsfeier unter Kollegen freuen kann.

 

Doch auch außerhalb der Schule hat Weihnachten im Leben der Freiwilligen Einzug gehalten. Ob es Weihnachtsshopping im wunderschönen Maastricht, gemeinsames Plätzchen backen oder unsere eigene kleine Weihnachtsfeier mit Wichteln, Konzert und Weihnachtsmarkt ist. Uns fällt eigentlich jedes Wochenende etwas ein, was wir machen können, so dass uns wirklich nie langweilig wird, sondern wir eigentlich eher gestresst sind von den ganzen Terminen.

Am Samstag kommen mich meine Eltern und meine Oma besuchen, mit denen ich die Weihnachtsmärkte in Valkenburg und Aachen besichtigen werde, ehe dann am Sonntag die Heimreise angetreten wird.

 

Ich wünsche all meinen Lesern eine besinnliche Weihnachtszeit und auch jetzt schon einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was das neue Jahr mir für aufregende Herausforderungen und Erfahrungen bringen wird und ich bin mir sicher, dass es genauso toll wird wie die ersten vier Monate. (Die Zeit ist echt verflogen. Ich kann es nicht oft genug sagen, aber es kommt mir gar nicht so vor

 

 

 

09.12.2019 - November News

 

Und schon ist auch der November vorbei. Obwohl ich den Eindruck habe, dass die Zeit viel zu schnell vergeht, genieße ich jeden Augenblick und jede Erfahrung, die ich machen kann.

 

Wie versprochen werdet ihr alle endlich erfahren, nach dem ihr sicherlich sehnsüchtig darauf gewartet habt, was ein On-Arrival-Training ist. Das On-Arrival-Training ist verpflichtend für alle Teilnehmer des Europäischen Solidaritätskorps und soll dazu dienen, dass man einerseits nützliche Informationen über das bevorstehende Freiwilligenjahr erhalten soll, aber andererseits auch Kontakte mit anderen Freiwilligen knüpfen kann. Dabei haben wir dort so viel erlebt, dass ich ein ganzes Buch alleine darüberschreiben könnte.

Mehr oder weniger entspannt ging es für uns Freiwillige aus der DG gemeinsam am Bahnhof in Eupen um 11:14 Uhr los. Da wir natürlich das deutsche Stereotyp bedienten, waren wir die Ersten, die im Hostel angekommen sind und zudem über eine Stunde zu früh. Nachdem alle angekommen waren und die Zimmer aufgeteilt wurden, starteten wir mit den obligatorischen Kennenlernspielchen, wobei wir auch tiefgründigen Themen, wie was ist mein „spirit animal“, diskutierten und alle haben ihre Projekte vorgestellt, in denen sie arbeiten.

 

Der Dienstag startete nach dem Frühstück mit einem erfrischenden Spaziergang, bei dem wir uns weiter über unser Freiwilligenjahr und alles was darum geschieht, austauschen konnten. Während der ganzen Woche hatten wir immer wieder sogenannte Sessions, bei denen wir über Themen diskutiert haben, die einerseits mit unserer Freiwilligentätigkeit zu tun hatten, aber auch zum Nachdenken und Lernen anregen sollten. So habe ich zum Beispiel gelernt, wie man eine Krawatte bindet jedoch nicht wie man mit drei Bällen jongliert.

Einen großen Teil unserer Zeit nahm „Das Projekt“ ein, zu dem wir vorher nicht viele Informationen erhalten haben und uns relativ Freihand gelassen wurde. Die einzigen Kriterien, die wir erfüllen mussten, waren zum Beispiel, dass es Spaß machen sollte, uns etwas für unser Freiwilligenjahr nutzen sollte und nicht im Internet zu finden sein sollte. Das ist nicht sehr hilfreich, vor allem da wir dazu gezwungen wurden, den ganzen Mittwoch von 10 bis 17Uhr außerhalb des Hostels zu verbringen. Ich fand schließlich meine Gruppe, in der wir in der belgischen Kleinstadt Halle Menschen auf der Straße fragten, was sie von der belgischen Identität halten beziehungsweise, ob sie denken, dass diese überhaupt existiert. Dabei merkte ich selber, wie ich an diesem Tag über mich hinauswuchs. Ich musste zunächst fremde Leute auf der Straße ansprechen und als wäre das nicht schon genug, musste ich mit vielen auf Französisch reden! Doch es lief erstaunlich gut und die Menschen aus Halle nahmen es mir auch nicht übel, dass ich sie durchweg geduzt habe. Aber da ich schon so mit der Kommunikation auf Französisch allein überfordert war, konnte ich nicht auch noch auf Grammatik und Ausdruck achten. Anschließend verbrachten meine Gruppe und ich noch gut zwei bis drei Stunden damit, die Ergebnisse auszuwerten und sie ansprechend auf Flipcharts zu übertragen. Dies war eine erstaunlich anstrengende aber sehr lustige Prozedur. Am Ende dieses Tages waren wir alle sehr K.O. und keiner hatte mehr so wirklich Lust, das Nachtleben von Brüssel zu erkunden, da wir schon alleine damit überfordert waren, welche Sprache man sprechen sollte oder wollte. So redete ich mit Deutschsprachigen auf Englisch und mit Leuten, die kein Wort Deutsch konnten, auf Deutsch.

Am Donnerstag starteten wir frisch ausgeschlafen nach dem Frühstück mit den Präsentationen der Projekte, sodass wir alle endlich erfahren haben, was die anderen Gruppen den Tag zuvor gemacht hatten. So gab verbrachte meine Mitbewohnerin Dora zum Beispiel ihren Tag in Brüssel und ging der Frage nach, wie grün Belgien ist, während eine andere Gruppe in ein kleines Dorf gefahren ist und der belgischen Volksmusik auf den Spuren war. Nach dem Mittagessen ging es dann weiter zum nächsten Highlight, auf das ich mich schon seit Beginn des Trainings gefreut hatte. Als erste Gruppe eines On-Arrival-Trainings überhaupt besichtigten wir das EU-Parlament oder eher gesagt wir machten ein Rollenspiel im Besucherzentrum dort. Trotz anfänglichen Verständnisschwierigkeiten und ständigem Zeitdruck hat es am Ende doch viel Spaß gemacht und alle gingen stolz mit einem Zertifikat über die Teilnahme nach Hause, dass wir uns alle einrahmen und aufhängen wollen, so stolz sind wir darauf. Aber am Ende des Tages realisierte ich, wie ich mich auch an diesem Tag über meine Grenzen hinausgewagt hatte, denn ich hätte nicht gedacht, dass ich vor etwa 30 Personen spontan eine Rede über Maßnahmen gegen Wasserverschwendung halten könnte oder eine Pressekonferenz ohne Vorbereitung machen kann, auch wenn es nur gespielt war.

Abends lud uns noch ein Trainer dazu ein, „belgische“ Volkstänze zu lernen. Auch wenn ich mich total ungeschickt angestellt hatte und allen anderen ständig auf die Füße getreten habe, machte es trotzdem Spaß. Als Abschluss des Tages ließen sich ein Teil der Gruppe und ich auf das Brüsseler Nachtleben ein und feierten zum Beispiel in einer Karaokebar, in der wir zu uns unbekannten niederländischen Liedern tanzten oder uns selber an Mamma Mia von ABBA versuchten.

 

Nachdem am nächsten Morgen dann alle mehr oder wenig pünktlich zur ersten Session erschienen waren (die letzten kamen über zwei Stunden zu spät), ging es für alle mit einem dreistündigen Stadtrundgang weiter. Unser Stadtführer hatte sichtlich Spaß an dem Rundgang und gab uns allerlei interessante Informationen über Brüssel und seine Geschichte, doch nach zwei Stunden war es für die meisten (auch für mich) einfach zu viel und zu kalt, denn das fünfte Beispiel für die Gentrifizierung in Brüssel war dann doch etwas unnötig als interessant. Doch allem in allem war es ein sehr schöner Programmpunkt, der in Zukunft hoffentlich optimiert wird.

Im Anschluss an das Abendessen wurde unser Wissen über Belgien abgefragt und ich muss sagen, ich war überrascht was es doch für komische Traditionen gibt. Denn wer hätte gedacht, dass so etwas wie Kuhfladen-Bingo existiert oder die teuerste Renntaube aus Belgien kommt. Dank der grandiosen Darbietung von „Ik wil je“ von „De Kreuners“, die meine Gruppe und ich, konnten wir sogar gewinnen. Gemeinsam ließen wir unseren letzten Abend in Brüssel ausklingen, wenn auch etwas ruhiger als den zuvor.

 

Rückblickend konnte ich nicht nur neue Menschen und Freunde kennenlernen, sondern wir als Gruppe aus Freiwilligen der DG konnten noch näher zusammenwachsen. Und auch wenn das On-Arrival-Training für uns nach gut drei Monaten sehr spät war, konnten wir einiges auch über Belgien und die Zeit, die uns bevorsteht, lernen.

 

Nach dieser aufregenden Woche waren alle auch wieder froh, zurück in ihr Projekt zukehren und man hat gemerkt, wie sehr man doch in St. Vith sowohl von den Kindern als auch von den Lehrern vermisst wurde. Und ich muss sagen, dass sie mir auch gefehlt haben. 

 

So anstrengend auch der November war, im Dezember kommen auch einige interessante Projekte auf mich zu. Sei es die Nikolausfeier oder mein erstes eigenes Projekt, welches ich mit den Kindern machen werde. Es wird wohl nie langweilig werden im ZFP.

 

 

12.11.2019 - Ein erneutes Hallo von mir!

 

Nach einem doch recht turbulenten und anstrengenden ersten Monat ist nun auch schon der zweite für mich im ZFP und in Eupen vorbei. Es ist echt erstaunlich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich bin jetzt so richtig im Alltag angekommen, was so viel heißt wie jede Woche nach dem Schwimmen, wenn die Schüler sich wieder anziehen, mindestens dreimal auf die Frage „Fräulein, ist mein Rücken noch nass?“ mit „Ja“ zu antworten und fast jede Mittagspause mit Kollegen das Kreuzworträtsel in der Tageszeitung zu lösen (oder es zumindest zu versuchen). Besonders machen mir und natürlich auch den Kindern die außergewöhnlichen Projekte Spaß, die in der Schule immer wieder anstehen. So begleitete ich die Forscher mit einer Imkerin zu einem Bienenstock, nahm am Teacher’s Day teil und pflanzte zusammen mit der gesamten Schule ungefähr 200 Bäume. Aber auch „normale“ Tage bleiben selten unspektakulär und machen mir immer Spaß. Jeder Tag bietet eine neue Herausforderung, die es zu meistern gilt, doch das ist mir gerade recht, denn dies bietet mir schließlich auch die Möglichkeit, mich selbst weiterzuentwickeln. So habe ich beispielsweise meine handwerklichen Fähigkeiten auf ein neues Level gebracht (ich kann jetzt Knöpfe richtig annähen!!) und habe durch alltägliche Situationen auch schon vieles über den Umgang mit Kindern dazugelernt. Dabei fällt mir selber schon auf, wie ich mich im Vergleich zum Anfang schon verändert habe. Ich bin ihnen viel offener gegenüber, mache mehr Späße und es gelingt mir mich öfter auch mal durchzusetzen. Dennoch bleibt es anstrengend, auch wenn ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, dass ich abends einfach nur ins Bett fallen möchte, morgens nicht aufstehen will, weil ich noch so müde bin, aber die Vorfreude auf die Schule lockt mich dann doch aus den Federn. Die Zeit im Bus nutze ich aber trotzdem, um noch mehr schlafen zu können..

 

In den Allerheiligenferien nutzten ich und zwei weitere Freiwillige unsere freie Zeit und fuhren für fünf Tage ins wunderschöne Paris. Für mich war es der erste aber hoffentlich nicht letzte Besuch in der französischen Hauptstadt. Paris ist tatsächlich zu einer meiner Lieblingsstädte geworden. Neben den klassischen Touristenattraktionen, die ich natürlich unbedingt sehen wollte, wie den Eiffelturm, Notre-Dame und den Arc de Triumph, haben wir auch viele kleine Gässchen erkundet, waren im Montmartre (was mir bis dato noch nicht bekannt war) und haben im Marais die kleinen Geschäfte bestaunt. Auch wenn es nur kurze fünf Tage waren, hatten wir das Gefühl, den Pariser Flair wenigstens ein bisschen, aufgeschnappt zu haben. Mit Pausen in gemütlichen Cafés mischten wir uns unter die Pariser und schlossen uns einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen an: auch im etwas frischen Oktober draußen (unter Wärmestrahlern wohlgemerkt) mit einer Tasse Tee oder einem Kaffee in der Hand zu sitzen. Dabei beobachteten wir die vorbeischlendernden Pärchen, verwirrten Touristen und die Pariser in ihrem Alltag. Von der französischen Küche und der Backkunst (an die ich persönlich sehr hohe Erwartungen gestellt hatte) wurden wir nicht enttäuscht. Von der Zwiebelsuppe über Crêpes bis hin zu dem fluffigsten Croissant, das ich je gegessen habe, war ich mehr als zufriedengestellt. So hatten wir auch mal den Wunsch, unsere Barretts vor den Köchen zu ziehen.

Dadurch, dass eine der Freiwilligen bereits dreimal in Paris war, konnte sie uns super durch die Stadt leiten, kannte sich mit der Metro aus und zeigte uns auch weniger bekannte Orte. (An dieser Stelle: Danke Charly)

 

In der nächsten Zeit möchte ich mir auch verstärkt Belgien anschauen, wozu ich durch das On-Arrival-Training, welches in zwei Wochen in Brüssel stattfindet, bereits die Gelegenheit bekomme. Näheres dazu und was das On-Arrival-Training überhaupt ist, gibt es in der Novemberausgabe.

 

Mit diesen Worten verabschiede ich mich für diesen Monat und hoffe, dass euch diese kleinen Einblicke in mein Leben hier in Eupen gefallen und ihr weiterhin meine Kolumne lesen werdet.

 

Bis nächsten Monat

Vanessa

 

 

23.10.2019 - Über das Leben einer Freiwilligen in Eupen und Sankt Vith

 

Hallo alle zusammen,

ich bin Vanessa, 18 Jahre alt und komme aus Deutschland. Seit einem Monat bin ich jetzt schon hier in Belgien im ZFP St. Vith als Europäische Freiwillige. In dieser Kolumne werde ich euch ungefähr einmal im Monat etwas mehr erzählen, wie es ist eine Freiwillige im ZFP zu sein und was ich alles erlebe.

 

Der erster meiner zehn Monate hier ist scheinbar nur so an mir vorbeigezogen, denn ich erinnere mich noch an meine Ankunft in Eupen als wäre es gestern gewesen. Es war ein warmer Samstag in Eupen gefüllt mit Erwartungen, Spannung, aber bis zu einem gewissen Grad auch mit Unsicherheit. Immerhin ist es das erste Mal, dass ich für einen längeren Zeitraum alleine ohne Eltern leben werde und noch dazu im Ausland! Wie würde die Schule sein? Würde ich mich gut einleben können? Wie ist das Zusammenleben mit meiner Mitbewohnerin? Diese hatte ich immerhin noch nie zuvor gesehen. Doch nachdem wir dann unsere Sachen alle ausgepackt hatten, war mir klar gewesen, dass mir das „WG-Leben“ keinerlei Probleme bereiten würde. So begannen die ersten vier Wochen, die letzten Endes voll bepackt waren mit neuen Gesichtern und Namen, einem neuen Alltag und neuen Erfahrungen. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben in vier Wochen schon so viel Neues erlebt und probiert habe, sei es Essen, Aktivitäten oder Aufgaben, die ich übernommen habe.

Dabei fiel mir das Einleben auch im ZFP erstaunlich leicht und ich wusste schnell, was ich so ungefähr zu tun habe. Wobei es wohl noch Wochen dauern wird, ehe ich weiß, wohin die ganzen Bastelsachen weggeräumt werden. Die beste Erfahrung, die ich bisher machen konnte, war die Freundlichkeit, die mir an den Tag gelegt wird. Sowohl die Lehrerinnen und Lehrer als auch die Kinder waren mir gegenüber sehr offen und haben mich in ihre Gemeinschaft wunderbar aufgenommen. Ich kann es gar nicht begreifen, wie sehr mir alle bereits jetzt schon ans Herz gewachsen sind.

Es ist erstaunlich wie schnell ich mich an meine Aufgaben gewöhnt habe und es macht mir riesigen Spaß den Kindern im Unterricht zu helfen, mit ihnen zu basteln oder zu spielen. Natürlich ist der Schulalltag ganz schön anstrengend und manchmal auch nervenaufreibend, vor allem wenn es Konflikte gibt, doch ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben.

Obwohl Eupen im Gegensatz zu meiner Heimatstadt ein ganzes Stück kleiner ist, kann man hier als Freiwillige(r) ziemlich viel erleben. Insgesamt sind wir hier zu siebt, also vier Freiwillige im ZFP und noch drei weitere, die in anderen Organisationen arbeiten. Es findet sich immer etwas, das man zusammen an den Wochenenden oder Abenden machen kann. So waren wir bereits in Aachen, an der Wesertalsperre, auf der Kirmes in der Unterstadt oder haben zusammen gekocht, was ziemlich abenteuerlich werden kann in einem kleinen Zimmer mit einem ziemlich kleinen Topf.

 

 

Ich kann sagen, dass ich in diesem Monat schon so viel über mich selbst und die belgische Kultur gelernt habe, dass ich mich wohl sehr auf die kommenden Monate freue. Mal schauen, was mich so alles erwarten wird, welche Aufgaben ich übernehmen darf und was Belgien noch zu bieten hat, denn bis jetzt habe ich ja nur einen kleinen Teil gesehen.

 

 

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